1A Fahrgefühl

Col du Hundsruck (Haut-Rhin)

Col du Hundsruck (Haut-Rhin) verbindet das Thur- mit dem Dollertal

Würde man sich den Spaß machen und für Rennräder, Autos und Motorräder eine Strichliste führen, dann würde man wohl zum Ergebnis kommen, dass eine Stadt wie Mulhouse auch nicht weniger Traffic hat. Grund dafür ist die Route Joffre, die Thann mit Masevaux verbindet. Das alleine wäre noch längst keinen Grund sie zu befahren, Thann im Thur-Tal hat zwar Wein (den berühmten Riesling vom Rangen), hat aber keine Weinseligkeit und Masevaux ist zwar hübsch, aber ohne Fachwerk und Wein. Die Straße ist ein Souvenir des 1. Weltkriegs. Initiator war der französische General Joseph Joffre, der damit die beiden französisch besetzten Orte verband. Was damals Strategie war, ist heute Tourismus. Dank der vielen Kurven ist das Fahrgefühl 1A, da macht das Radfahren in den Vogesen großen Spaß. Die schönsten Aussichten gibt es ab dem Col du Hundsruck (748 m) Richtung Dollertal. Vom Bergsattel führen übrigens schöne Wanderwege zum Thanner Hubel und ein kurzer Spaziergang zum Denkmal der französischen Sturmtruppen (troupe de choc) mit Blick is Rheintal. Die Natur ist hier ein bisschen wilder: die Obstbäume auf den Wiesen wachsen wie sie wollen, die Kiefern ebenso und zwischendurch blitzt das Grau des unverwüstlichen Granits. Auf dieser Strecke sollte man nicht rasen und auch keine Kurven schneiden. Achtung Fahrrad!

 

 

Advertisements

Morgen: Weinfest Mittelbergheim

Wer Sepp mit dem Liesel tanzt ... Z.B. in Mittelbergheim, mit Blasmusik

Wo’s rund geht … in Mittelbergheim, mit Blasmusik & Sylvaner

Hopla! Hopla! Hopla! Dieses Wochenende geht es in Mittelbergheim wieder mal rund, auf der Tanzfläche und um den Wein. Das Winzerdorf an der Weinstraße, das zu den schönsten Dörfern Frankreichs zählt (Les plus beaux villages de France), feiert wie jedes Jahr sein Weinfest. Es gibt Flammkuchen, Tanz und Blasmusik, eine sehr lustige historische Feuerwehrübung wie Anno Tobak (Sonntagnachmittag) und sehr viele Weine zu probieren. Da um die zwölf Winzer im Dorf ihre eigene Reben hegen und pflegen und nicht nur Sylvaner vom Zotzenberg im Programm haben, sondern auch Riesling, Pinot blanc, etc. und manches in mehrfacher Ausführung und auch Crémant, Edelzwicker und Schnaps nicht zu vergessen, reicht ein Sonntag, ach was, ein Menschenleben nicht aus, um all diesen Stoff zu kosten. Ach ja, aber probieren kann man es mal. Oder man lässt es sein und wagt ein Tänzchen mit der Liesl … (Außerdem gibt es offene Höfe, Musik, Marmeladenstände und selbst geschnitzte Pommes frites.)

  1. Weinfest Mittelbergheim (Elsass), Samstag, 26. ab 17 Uhr und Sonntag 27. Juli ab 11 Uhr

 

Dieses Gefühl von Leichtigkeit

Christoph Peters kennt sich aus mit Japan, vor drei Jahren veröffentlicht er „Mitsukos Restaurant“. In diesem Roman geht es um eine japanische Köchin in der deutschen Provinz, um japanisches Essen und deutsche Schnäpse, wie das Zunsweierer Ziebärtle. In „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ begleitet er einen japanischen Ofenbauer namens Yamashira nach Holstein. Dieser altehrwürdige Meister will das Versprechen seines Meisters einlösen und in Deutschland ein Zeichen für das traditionelle Handwerk setzen in Gestalt eines Hangofens, japanisch Anagama. Um den alten Herrn bei Laune und am Leben zu halten, begleiten ihn seine Töchter, die ihn bekochen, da man befürchtete, „dass eine so lange Zeit ohne Reis seiner Gesundheit sehr abträglich sein würde.“ Aber es kommt anders wie gedacht. Der sehr launische Ofenbauer wird von der Wirtin einer Dorf-Beitz beim Maurerfrühstück mit Schnaps „umgedreht“ und begeistert sich fort an für Mettbrötchen, Frikadellen und Schnitzelchen. Der in Berlin lebende Autor überspannt fast den Bogen und lässt den Japaner sogar Krankenhauskost munden. Unglaublich, aber warum nicht? Begeistern sich nicht auch Deutsche für lumpig belegte Pizza und Elsässer für grausam verkochten Couscous? Peters‘ Trick die Dinge anders zu sehen, sorgt für Erstaunen und Interesse. Da ist ihm wirklich etwas Tolles gelungen, das sich auch in der Vermittlung japanischer Kultur fortsetzt. Man erfährt warum alte Menschen einen besonderen Status in der Gesellschaft haben und wie eisenhart in Japan eine Lehre ist. Und alle Härte hat doch nur eines im Sinn, „ein kleines Gefühl der Erleichterung“ zu verschaffen“, die dann zu spüren ist, wenn man einen getöpferten Becher hält. Christoph Peters‘ Sprache lebt ebenfalls dieses Gefühl von Leichtigkeit. Wie locker gespielter Jazz, der die Eskapaden meidet, gelingen ihm Worte und Sätze und am Ende weiß man, dass Kartoffeln nicht immer schwere Kost sind und vieles mehr.

 

Christoph Peters | „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ | Luchterhand | ca. 180 Seiten | 18,99 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch schön: Straßburg im Regen

Endlich Regen! Die Touristen flüchten in Museen und Brasserien und das sonnige, dampfige Choucroute und Knack-Straßburg wird zum Straßburg der schnellen Schritte und melancholischen Augenblicke. Manche brauchen einen Schirm um den Regen abzuhalten, andere lächeln ihn einfach weg.

Blick auf den Straßburger Bahnhof, Juli 2014

Blick auf den Straßburger Bahnhof, Juli 2014

Brezel Logik

Bild

 

Regionen und Städte mit einem markanten Gebäude können sich glücklich schätzen. Pisa hat seinen schiefen Turm, Paris seinen Eiffelturm und London seinen berühmten Tower. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Das Straßburger Münster steht ganz klar für Straßburg und den Oberrhein. Warum die Macher des „Poster Gigante“ aber eine Brezel für den Oberrhein gewählt haben und nicht das Straßburger Münster, könnte mehrere Gründe haben: Weiterlesen