Nomen est omen: Der Winzer Henri Schoenheitz

Nur südliche Hanglage. Henri Schoenheitz im Weinberg

In den Reben: Henri Schoenheitz geht steil

Der Winzer Henri Schoenheitz aus Wihr-au-Val trägt einen wunderbaren Namen. Er ist auch eine besondere Figur im Vallée de Munster (Münstertal). Hier an der Pforte zum Käse-Königreich (Munster, Barikas) machen 20 Leute in Wein, sieben leben davon und nur einer – Henri Schoenheitz – ist ein unabhängiger Winzer. „Ich möchte nicht, dass meine Weine vermischt werden“, sagt er und setzt ganz auf den Charakter seiner Lagen Val Saint-Grégoire, Holder, Linsenberg und Herrenreben, die jeder für sich ihre Qualitäten hat.

Viele Winzer sind Spinner, Henri Schoenheitz auch? Für heiße Tage trägt er einen Crocodile Dundee Hut, was ihm etwas verwegenes gibt. Im Kleinwagen klickt er den CD Player an und „TNT“ von AC/ DC rockt. „Das gehört meinem Sohn“, entschuldigt er sich und knipst den Hardrock wieder aus. Besagter Sohn hat ein Faible für down under, wo er sich in Sachen Weinbau weiterbildete. Henri Schoenheitz ist kein Spinner, sondern ein grundsolider Winzer mit Stahltanks aus der Ortenau, besten Eichenfässern aus dem Burgund und einem ausgeklügelten Weinkeller, der komplett unter der Erde ist. Was ihn und sein Kleinwagen herausfordert sind die gerölligen Steillagen, die höchsten im Elsass. Herbsten geht also nur von Hand. (Zur Information: Der Zinnkoepflé im Vallée Noble ist die höchste Grand Gru-Lage.)

Wein wurde im Münstertal schon immer gemacht, erklärt der geschichtskundige Winzer, aber im Lauf der Jahre verschlechterte sich die Situation zusehends. Fallende Preise, Reblausplage, Zweiter Weltkrieg und das Weinland Elsass lag wie ein angeschlagener Boxer am Boden. Auch die Schoenheitz‘ waren davon betroffen, machten aber weiter und als Henri Schoenheitz den Hof vom Vater übernahm hatte er sechs Hektar Reben und das schlechteste Jahr seit ewigen Zeiten. Weder Menge noch Qualität stimmten … Heute hat er 16 Hektar und ist im Tal bekannt für seine gastronomischen Weine. Die in Frankreich üblichen Verdächtigen (Guide Hachette, Gault Millau) empfehlen ihn, in Deutschland ist er wenig bekannt und Touristen die seinen Edelzwicker auf irgendeiner Ferme in den Hochvogesen gekostet haben, fahren den weiten Weg runter ins Tal um sich Nachschub für daheim zu kaufen. Süffig!

St. Urbain beschützt diesen Weinberg

St. Urbain beschützt diesen Weinberg

Steillage, Granit, Höhe, Südlage und kühle Wälder bedingen ein kontrastreiches Mikroklima, das natürlich seine Spuren im Wein hinterlässt. Einen strukturellen Anteil von Säure schmeckt man in seinem zwei Jahre alten Crémant, während der fünf Jahre ältere so trocken ist, wie die große Wüste im inneren Australiens. Dafür muss man bereit sein. (Schoenheitz verzichtet auf die Dosage.) Extreme Spitzen finden sich bei den Rieslingen, während der 2013er eine gute Säure hat, flirrt der 2010er von der fast 500 Meter-Lage Herrenreben mit leichterer Zitrusnote über Gaumen und Zunge. Mit dem 2011er Linsenberg wird eine andere Seite von Riesling gezeigt, mild und blumig. Als Gegengewicht zu diesen etwas nassforschen Genossen versöhnen der harmonische Muskat 2013, der pfeffrige Gewürztraminer und der fein ausbalancierte Pinot Gris. Zugänglich ja, aber nicht flach. Im Keller lagert zudem die 2013 Riesling Beerenauslese, die das beste beider Welten besitzt, starke Säure, aber auch eine Süße, die gekommen ist um zu bleiben. So schmeckt Schönheit.

Henri Schoenheitz | 1, Rue de Walbach | 68230 Wihr-au-Val | Tel. 03 89 71 03 96

 

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