Die Allzweckwaffe / 魚拓 (Sushi + Wein, 2. Teil)

Gyotaku

Wein von Mittnacht für Speisen aus dem Land der aufgehenden Sonne.  Gyotaku mag Japans Küche

Zu jedem Gang den passenden Wein auftischen, gehört sich mittlerweile. Was aber, wenn ein Gericht scharf, salzig und süß ist und alle Aromen ihre Muskeln spielen lassen? Dann hat man als Sommelier ein Problem. Als der Winzer Christophe Mittnacht im Restaurant seines Schwiegervaters in Sapporo, Japan, beim Sushi saß, gab es dazu Sake. Als Winzer musste das natürlich am Ego kratzen … Warum kein Wein? Zurück in Hunawihr mischte der Elsässer Weißburgunder und Riesling und benutzte „wie Pfeffer und Salz“ Muskat, Gewürztraminer und Grauburgunder. Mit dieser Gyotaku genannten Cuvée wollte er es mit dem japanischen Trendessen aufnehmen. Kommt er damit durch? Der Wein schlägt sich tapfer, auch wenn er in der Nase nur wenig von seiner Stärke (ein bisschen Frucht) ahnen lässt. Beim ersten Schluck wird man vielleicht Aprikose schmecken, den Wein als cremig auf der Zunge empfinden und im Nachgang einen Anflug von Muskat bemerken. Mit Sushi, Sashimi und Maki werden die Aromen stärker (bekanntlich wächst man mit seinen Aufgaben) und bei der Schärfe entwickelt sich ein interessantes Phänomen. Das Höllenfeuer Wasabi lässt den Wein süßer schmecken, als er ist. Mit seiner Allzweckwaffe made in Japan trifft Bio-Winzer Mittnacht den Nerv der Zeit. Vor fünf Jahren verkaufte er 1000 Flaschen Gyotaku, mittlerweile gehen 30000 in alle Welt. Der Name des Weins stammt übrigens von einer japanischen Drucktechnik mit fangfrischem Fisch, Tusche und Papier. Gyotaku passt auch zu anderen würzigen Speisen, wie zum Beispiel Thai-Küche. Der süffige Tropfen geht natürlich auch solo runter …

Empfohlene Trinktemperatur: 8-10 Grad.

Gyotaku, 12,5 Prozent Alk. | 8,75 Euro | Mittnacht Fréres, Hunawihr | Tel. 0033389736201

 

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Ballermann

Kommt Zeit, kommt Schwarm.

Ein Mann aus echtem Schrot & Korn. Was denkt der sich?  Kommt Zeit, kommt Schwarm?

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