Zum Mittagessen in Villé

Doppelt gut

Das Städtchen Villé im Weilertal hat mit der Pâtisserie Pfister und dem Restaurant Wendling gleich zwei gute Adressen in Sichtweite und auf Augenhöhe. Da lohnt sich das Mittagessen, bevor es zur Schnapsprobe oder Wanderung auf die Frankenbourg geht.

Da kommt Freude auf. Manchmal weiß man ja nicht, dahin oder dorthin? Oder doch lieber weiterfahren? Wenn der kleine Hunger am Mittag plagt, ist es zumindest in Villé* ganz leicht ein gutes Restaurant zu finden, liegen doch die beiden besten gleich vis-à-vis.

Stephanie Pfister

Immer süß. Bei Stephanie Pfister gibt es das ganze Jahr Bredele

Auf der einen Seite ist die Pâtisserie Pfister, die vor drei Generationen „nur“ Bäckerei war und dann in der Generation Bäckerei und Konditorei und dann hauptsächlich Konditorei (die Kuchengebirge sind eine Pracht!) und jetzt Pâtisserie und Restaurant mit preisgünstigem Mittagstisch**. Vorspeise: Wurstsalat oder Bohnensalat, immer mit viel Liebe und Zwiebeln angerichtet. Freitags steht Fisch auf der Karte und der schmeckt frisch und das mit Muscheln aufgepeppte Sößchen ist fein gewürzt und wurde mit ordentlich Sahne montiert. (A la carte gibt es auch Sauerkraut, Kalbsnierchen, Kronfleisch …) Nachtisch? Eine ganz Elle Desserts versüßt den Tag. Da isst man am heiligen Freitag das Richtige (Fisch!) und sündigt gleich danach mit einem Café Gourmand …. Und ja, wenn man schon dabei ist, dann langt man noch bei den Kuchen zu oder bei den Bredele. Da kommt man kaum drumherum. „Manchmal haben wir morgens 50 Stück“, flötet die selbstbewusste Stephanie Pfister über die Kuchen und Torten. Da geht was!

Beliebig erweiterbar: Die Bestuhlung in Zeichen von moules & frites bei Wendling

Beliebig erweiterbar: Die Bestuhlung in Zeichen von moules & frites bei Wendling

Nebenan bei Wendling macht man sich wegen Pfister gar keinen Kopf, kann man hier doch auch auftischen, mit Biographie und küchentechnisch sowieso. Die Madame macht den Service, der Patron kann kochen – und Desserts auch, das hat er auch gelernt. Zur Geschichte: Zuerst hatten Colette und René Wendling einen Fischladen mit einem kleinen Restaurant. Ein paar Tische, fertig. Im Laden gab es frischen Fische vom Paris Großmarkt oder von einem Forellenhof aus dem Tal. Im Laden musste sich Madame Wendling immer mehr Klagen von Hausfrauen anhören, sinngemäß hieß es, „ich hab‘ ja Lust auf Fisch, aber ich muss arbeiten und mag abends nicht mehr kochen.“ (Von den Männern sind keine Klagen überliefert …) Dann haben es die Wendlings einfach anders herum gemacht und haben jetzt ein kleinen Fischladen und ein großes Restaurant (im Vergleich zu Pfister aber mini), aber mit einer großen Bestuhlung, die sich im Juli und August endemisch ausbreitet, weil es da moules & frites in rauen Mengen gibt. Die Muscheln sind von der Größe, dass man hungriger Esser zum Akkordessen gezwungen wird. Die Soße ist effektiv etwas zu salzig, aber für (einen) salzige Typen (wie mich), genau richtig und die Pommes sind dünn und knusprig, nicht trocken. Tags drauf wurde das Tagesmenü getestet, wieder gab es Gazpacho, eine sichere Methode um eine Menge Knoblauch stilvoll an den Mann zu bringen, eine mit frischen Salaten garnierte Quiche als Vorspeise (sehr angenehm gewürzt) und dann einen Hauptgang. Zander und Forelle hatten eine schöne, feste Konsistenz (das muss wohl am eiskalten Gebirgswasser liegen) und die Alternative, eine Art Gulasch mit zartrosa Schweinefleisch, zerging nicht nur in Worten auf der Zunge. Die Nachspeise war auch hier ein Café Gourmand, ähnlich bestückt wie bei der Konkurrenz.

Fazit: Hier wie dort lernte man den kleinen Löffel zu schätzen, nicht nur um die einen Zentimeter dicke Zuckerschicht über dem Flan aufzuklopfen, sondern auch für Schälchen, Gläschen und Schüsselchen. Saubere Leistung diese Desserts!

Pâtisserie Pfister | 9, Place Du General de Gaulle, Tel. 03 88 57 17 56 | http://www.patisserie-restaurant-pfister.fr | Di-Fr 7.30 – 18.30 Uhr, Sa, So 7.30-18.30 Uhr

Restaurant Wendling | 5, Place Charles de Gaulle | Tel. 03 88 57 26 36 | http://www.restaurant-wendling.fr | Mittagessen Di-Do, Abendessen Do-Sa

  • Villé (dt. Weiler) im Val de Villé ist eine sehr kleine Kleinstadt im von Roger Siffer oft besungenen Weilertal („s’Herztal, s’schönste Tal“), das sich westlich von Sélestat in die Vogesen zieht.

** In beiden Beitzen kostet der Mittagstisch werktags 10 Euro und samstags 12 Euro

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