Poet, Dandy, Adabei

Noch zu sehen: Tristan Tzara in Straßburg

Zum ersten Mal würdigt das Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg (MAMCS) den großen Dadaisten und Surrealisten Tristan Tzara. Die Ausstellung kommt nicht von ungefähr, Dada-Miterfinder war der gebürtige Straßburger Hans „Jean“ Arp. Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. Januar.

Vorne die bibliophilen Raritäten, hinten der Meister mit Monokel

Da? Dada! Vorne die bibliophilen Schätze, hinten der Meister mit Monokel

Wie gerne würde man sich ein altes Heft herausgreifen und aufschlagen, still die seltsamen Reime lesen und dann laut ein „jollifanto bambla ô falli bambla“* intonieren. Vielleicht würde dann jemand mit einem „hollaka hollala“* antworten? Wäre super, geht aber nicht. Schade. Wie üblich in einem Museum bleiben Tristan Tzaras Schätze aus der Zeit des Dadaismus schön unter Glas. Tristan Tzara (1896-1963) wurde von Co-Dadaist Richard Huelsenbeck als „Genie ohne Skrupel“ bezeichnet. Eine große Ehre, die nicht ohne Grund ausgesprochen wurde. Überall wo der gebürtige Rumäne aufschlug, passierte etwas Großes. Das war 1916 in Zürich so, als er mit Hans Arp, Hugo Ball, Emmy Hennings, Huelsenbeck und Marcel Janco Cabaret Voltaire gründete und Dada erfand und daraufhin nach Paris übersiedelte, wo er Dada (Tzara: „Dada bedeutet nichts“) installierte und später dem Surrealismus ein paar Impulse und Sternstunden bescherte. Wie das Leben des umtriebigen und rührigen Tristan Tzara verlief, zeigt die noch aktuelle Ausstellung im Straßburger MAMC. Hier finden sich Fotografien, Zeichnungen, Briefe, Zeitschriften und auch ein Modell seines Pariser Domizils. Wie zu erwarten ist die Promi-Dichte groß, wer von Tzara spricht muss ein halbes Jahrhundert Kunst aufblättern. Auf 700 Quadratmeter Fläche werden Ernst, Dalí, Giacometti, Man Ray, Miró, Picasso, Picabia, Schwitters und ein paar andere Größen gezeigt. Der Poet und Dandy Tristan Tzara war halt ein richtiger Adabei.

* Hugo Ball „Karawane“

Tristan Tzara, l’Homme approximatif | MAMCS | 1, Place Hans Jean Arp | bis 17. Januar | Eintritt: 7 Euro, erm. 3,50 Euro | tgl. 10 – 18 Uhr, Montag geschl.

Literatur von Tristan Tzara wie z.B. „Der annähernde Mensch“ findet sich bei Richard Huelsenbecks „Dada – Eine literarische Dokumentation“. Das Buch ist antiquarisch erhältlich.

 

 

 

 

 

 

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