Gelesen: Elsässer Erbschaften

Der Autor irrt

Krimis mit regionalem Hintergrund sind schwer in Mode gekommen. Die Bücher spielen in Bayern, Freiburg, der Bretagne und jetzt auch im Elsass. Jean Jacques Laurent heißt der Autor, der über „Elsässer Erbschaften“ schreibt. Was für ein Verbrechen!

Eguisheim hat wie "Rebenheim" einen kreisrunden Stadtplan

Ganz hartes Pflaster. Eguisheim, das wie „Rebenheim“ einen kreisrunden Stadtplan hat (Foto: Pascal Cames)

Jean Jacques Laurent (Pseudonym eines deutschen Autors) lässt seinen Major Jules Gabin von Royan an der Atlantikküste der Karriere wegen ins schöne Elsass ziehen. Der fiktive Ort Rebenheim liegt wohl in der Nähe von Colmar und hat à la Eguisheim einen kreisrunden Stadtplan. Der erste Fall lässt Jules Gabin keine Zeit sich zu „installieren“, wie man auf gut Elsässisch sagen würde. Die Koffer sind noch nicht einmal ausgepackt, schon gibt es eine Leiche. Ermordet wurde eine junge, attraktive Journalistin. Der Hauptverdächtige ist der ex-Freund, ein dummer Hitzkopf. Auch ein aus der Zeit gefallener Redakteur könnte in Betracht kommen. Der Autor braucht circa 100 Seiten um das zu erzählen. Dazwischen erfährt man warum im Elsass noch Dialekt gesprochen wird, was es mit örtlichen Spezialitäten auf sich hat und warum Weißwein und nicht Rotwein angesagt ist.

Authentizität?

Das alles wäre ja schön und gut, leider wird die Chance nicht genutzt, die das Elsass mit seiner reizvollen deutsch-französischen Doppelnatur bietet. Die Einblicke in die elsässische Regional- und Esskultur klingen seltsam aufgesetzt und schulmeisterlich, gerade so, als gäbe es eine to do-Liste abzuhaken. Mit seinen Versuchen Tiefe zu erzeugen, kommt Laurent nicht weit. Hin und wieder ein französischer Ausdruck reichen nicht aus, auch wenn es eine Donna Leon oder ein Bruce Walker ähnlich handhaben. Die erotische Spannung zwischen Major und Staatsanwältin (hautenge Jeans, schwarze Pumps, lachsrosa BH) klingt abgenutzt. Der Autor irrt auch gewaltig. Im Elsass wird kaum mehr Elsässisch gesprochen, erst recht nicht von Polizisten. Der beigefügte Stadtplan stimmt nur oberflächlich, in keinem elsässischen Dorf wird sich ein Fischweiher innerhalb der Stadtmauern finden lassen. Mangelnde Sachkenntnis auch beim Wein, ein Burgunder ist ein Pinot, um es mal klar zu sagen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Was fehlt ist nicht nur ein gescheit „gemalter“ Hintergrund, sondern die gute Story, fundiert und nicht reißerisch erzählt, aber vorallem mit Empathie für die Protagonisten. Würde in einem elsässischen Dorf oder irgendwo anders tatsächlich ein Mord von diesem Kaliber geschehen, niemand würde so herzlos zur Tagesordnung übergehen.

Es ist schon klar, Heimat- und Regiokrimis müssen nicht bierernst sein und spielen nicht in der gleichen Liga wie Donna Leon, aber ein bisschen mehr von allem – Hintergrundwissen, Storytelling, Sprache, Empathie – wäre nicht schlecht gewesen, um diesem Buch ein authentisches Standing zu geben. Schon der Name der Hauptperson „Jules Gabin“ sollte eine Warnung sein. Warum nicht Jean Maigret?

Jean Jacques Laurent: Elsässer Erbschaften: Ein Fall für Major Jules Gabin (Jules-Gabin-Reihe, Band 1) | Piper Paperback | 288 Seiten | 14,99 Euro

 

 

 

 

 

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