Ausprobiert: Rikscha fahren in Straßburg

Ist in Form: Stavros Benakopoulos

Ist in Form: Stavros Benakopoulos

Easy Rider

Straßburg lässt sich vielseitig entdecken, zu Fuß, mit einen Leihrad, mit dem Segway, mit dem Touristenbus oder auch mit dem Schiff. Das sind die gängigen Modelle. Aber, es geht auch anders, zum Beispiel mit der Fahrrad-Rikscha. Das ist bequem, aber auch clever für alle, die nicht gut zu Fuß sind.

Sie sind in Form! Stavros Benakopoulos (38) lacht über dieses Kompliment. An ihm ist wirklich kein Gramm Fett und die Waden sind so stramm und formschön, als wären sie von Philippe Starck persönlich modelliert worden. Der Grieche fährt seit zwei Jahren Rikscha in Straßburg, unterhält Touristen auf griechisch, französisch, italienisch und englisch, ein paar deutsche Brocken hat er auch drauf.

Benakopoulos war in Griechenland eigentlich Verkäufer, aber seit der Finanzkrise sieht es mau aus in seinem Metier, also ging er nach Straßburg. Dort strampelte er sich zuerst in einem anderen Job ab, bevor er sich mit seinem in England gefertigten Dreisitzer selbstständig machte. Bis zu fünf Touren fährt er pro Tag, von 30 Minuten (20 Euro) bis fast zwei Stunden für 50 Euro gibt er den Vélo-Guide.

Stadtrundfahrt mal anders

Auf dem Fahrplan stehen die Neustadt, das Europaviertel und Petite France. Da er kein gelernter Fremdenführer ist und auch kein Historiker, hat er sich alles angelesen. Sein Standort ist die Place de la Cathédrale, der Münsterplatz. Dann geht’s auch schon los, fährt flink und sicher zwischen den Pollern durch, klingelt und umkurvt schlendernde Touristen. Immer wieder wird man angeschaut, als käme man vom Mars. Benakopoulos hat sich daran gewöhnt und berichtet am Broglie Platz von den Geschehnissen am ehemaligen Rossmarkts, erzählt vom Baustoff der Oper und wo 1792 Rouget de Lisle die Marseillaise komponierte und warum die französische Nationalhymne so heißt, obwohl sie doch im Haus des Straßburger Bürgermeisters De Dietrich komponiert wurde.

Wir fahren vorbei am Denkmal von General Kellermann, der zum Gruß den Hut zieht. Einen Augenblick später sind wir schon über die alte Stadtgrenze, die bis 1871 galt. 90 Türme sicherten das damals noch mittelalterliche Straßburg, dahinter lagen Felder und Kuhweiden, wie Benakopoulos etwas schelmisch berichtet. Man kann sich das gar nicht mehr vorstellen, denn die Place de la République respektive Kaiserplatz ist von charmantem Größenwahn. Jedes Gebäude ist eine Wucht in Stein.

Auch hier weiß der Grieche Interessantes zu erzählen, zum Beispiel war der Kaiser über sein Domizil not amused. Wie ein Bahnhof, soll der undankbare Preuße gemault haben. Während Benakopoulos so am Reden ist, strahlt auch der Himmel blau. Kaiserwetter. Klingeling, einmal eine Runde um den Kaiserplatz drehen, da oben sind Philosophen, dort tagte der Landtag und retour geht’s. Die meisten Passanten kennen ihn schon, nur die zwei Atlanten am Kaiserplatz fassen sich an den Kopf. „So was aber auch“, scheinen die Riesen aus alter Zeit zu denken. Benakopoulos verlässt den Platz und pedaliert seinen Dreisitzer durch Straßburgs Straßen und Gassen retour zum Münsterplatz. Manchmal holpert’s.

(30 Minuten, 20 Euro)

vélissimo| Place de la Cathédrale | Tel. 0033786607104 | http://www.velissimo.fr | tgl. 10 – 18 Uhr

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2 Kommentare zu “Ausprobiert: Rikscha fahren in Straßburg

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