Getestet: Metzgerstuwa

Hier geht's definitiv um die Wurst! La Metzgerstuwa

Offen für die Fleischeslust, la Metzgerstuwa in Soultz

Die gute alte Zeit, wo ist sie geblieben?

Willkommen in der no-go-Zone für Vegetarierer: Wenn man mit Elsässern auf das Thema Metzgerstuwa kommt, dann machen sie dicke Backen und pusten die Luft aus und machen dabei eine Geste, als müsste man dort ein Klavier in den dritten Stock tragen, dabei ging’s doch nur darum einen Teller leer zu essen. Die Portionen waren gigantisch, so haben wir es vor vier Jahren erlebt. Die Portion Kalbsbries war einfach zu groß und der Teller Kassler auf Straßburger Art ebenso. Das war halt gute alte Schule, wie sie von Maitre Gilbert Schluraff, „la grand star du Haut-Rhin“ (André Muller), aus Soutz im Oberelsass gelebt wurde.

Comeback mit Hilfe vom alten Chef

Dann ging der Held in Rente und die Tür schloss sich scheinbar für immer. Dann hieß es Wiedereröffnung und ein anderer Metzger machte sich dran Beitz und Metzgerei wieder flott zu machen. Für einige Monate wurde der neue sogar vom alten Schluraff unterstützt. Könnte es besser kommen? Eine Stabsübergabe wie bei Klinsi zu Löw? Wir wollten es wissen und gingen hin.

Die Beitz ist immer noch so lausig eingerichtet wie früher, unten ist zwar eine schöne Stube (Stuwa) mit dem gigantischen Porträt des Metzgers Schluraff, aber oben schaut’s unmöglich aus, Rauputz, Korkdecke und ein paar mehr oder weniger guten Fotos als Wandschmuck. (Aber, wen stört’s, wenn das Essen Bombe ist?) sind nicht wirklich gemütlich. Der Service ist sehr freundlich und flötet ein „Sie können gerne Deutsch reden“ und erzählt, warum die Karte ein bisschen kleiner ist als früher. Nicht alles wurde nach der Stabsübergabe gut angenommen, die Kassler zum Beispiel, und darum hat man die Karte reduziert. Aber die Speisekarte ist immer noch groß genug, um die Fleischeslust aussergewöhnlich zu befriedigen, zum Beispiel mit Cordon Bleue, Nierle, Leberle, Wild und Munischalla. Das Weinangebot ist von Qualität und Preis gut, eine Flasche Wein gibt es auch schon für 18 Euro.

Zuviel Knoblauch, zuwenig Butter

Bei den Preisen fürs Essen bleibt man nicht bescheiden, 28 Euro für das Kalbsbries sind eine Hausnummer, die 17 Euro für gefüllten Schweinefuss auf Soultzer Art aber okay. Die Teller sind es aber nicht, die sind rechteckig, wie von der Resterampe der 80er-Jahre. Das bisschen Gemüse, frittierter Kartoffelklops und das Fleisch mit Soße liegen viel zu eng auf dem Teller. Das Gemüse ist frisch, das Bries aber von der Menge zu klein (es ist aber in Ordnung) und die Soße wurde mit Mehl montiert. Die Füllung beim Schweinefuss bleibt blass und nichtssagend, die Pilzsoße hat dagegen zuviel Knoblauch. „Les Spaezles“ sind für zwei Esser eindeutig zu knapp portioniert, das Salz wurde vergessen, an der  Butter gespart. Der Kuchen des Tages ist ein Rhabarberkuchen, der warm ganz okay schmeckt, aber auch nicht umwerfend ist. Nur beim Wein, ein elsässer Auxerrois von Ginglinger-Fix stimmte alles. Fazit: Ja, früher war alles besser.

69-71 Rue due Maréchal de Lattre de Tassignigny | Tel. 0389748977 | Mo abends, Di – Fr, Sa abends | www.metzgerstuwa.fr

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