Gelesen: „Philosophie des Kochens“

Philosophie? Zwei Köche unterhalten sich über die Länge ihrer Fische (Abb. nicht aus dem besprochenen Buch, Foto: Pascal Cames)

Philosophie? Zwei Köche unterhalten sich über die Länge ihrer Fische (Abb. nicht aus dem besprochenen Buch, Foto: Pascal Cames)

Fragen Sie den Fisch!

Philosophie ist eine Praxis“, lesen wir in der „Philosophie des Kochens“, die ein bisschen mehr auf der Pfanne hat als „saisonal und regional“.Die hübsche Textsammlung wurde von Stevan Paul herausgegeben.

Manche Bücher sind wie ein Fenster in eine andere Welt. „Die Philosophie des Kochens“ ist so ein Buch, denn es schaut auf eine Landschaft, die wir gut zu kennen glauben, aber was wissen wir wirklich von dem, was und warum in einer Küche passiert? Verantwortlich für die „schöne Aussicht“ ist der umtriebige Stevan Paul, der Koch, Schreiber und bestens vernetzt ist. Unter den 19 Autoren sind Autoren, Philosophen und Leute vom Fach, wie die Basler Köchin Tanja Grandits mit ihrer „Kulinarischen Farbenlehre“.

„Die Philosophie des Kochens“ erklärt dem geneigten Leser, dass der Homo Sapiens nicht nur weise ist, sondern auch schmecken kann (lat. Sapio), warum das Feuer so wichtig geworden ist, was ein Topf ist (nämlich ein ausgelagerter Magen) oder warum der Mageninhalt eines toten Tieres kulinarisch etwas hergibt. Das Morbide scheint zu faszinieren, aber ob es tatsächlich einen Text über Kannibalismus in Europa braucht, sei mal dahin gestellt. (Die Frage ist auch, was wird hier gekocht?) Herausragend und beispielhaft erscheint Felix Schneider vom Restaurant „Sosein.“, der von seiner Philosophie berichtet, die zu einem Kräutergarten (1,4 Hektar!) geführt hat, sowie zu einem Netzwerk von 200 Produzenten.

Sehr spannend ist der Blick über den europäischen Tellerreand. Der freischaffende Philosoph Malte Härtig „schreibt über die Weisheit der Dinge“ aus japanischer Sicht, die in der europäischen Akteur-Netzwerk-Theorie wiederfindet. So würden Dinge die Menschen dazu leiten etwas zu tun. So bringt der Fisch Tai eine ganze Kette von Werktstätigen dazu, alles zu machen, damit dieser als Delikatesse so frisch wie möglich seiner Bestimmung zugeführt wird. Ist das wirklich die Absicht des Fisches? Man müsste mal den Fisch fragen …

Stevan Paul (Herausgeber) | Die Philosophie des Kochens | 224 Seiten | mairisch Verlag | 20 Euro

(Dieser Text erschien bereits in Der Sonntag.)

Hübsch geflötet: „Lachen, Spielen und Träumen bringen uns Fortschritt und zwar auf eine ganz unverkrampfte Weise.“ (Stevan Paul & Tanja Grandits)

Treffend gesagt: „Nur eine satte und reiche Gesellschaft kann es sich leisten, exotisches superfood einfliegen zu lassen.“ (Thomas A. Vilgis)

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