Geheimsache Straßburg

Eindeutige Botschaft im Stoltze Gässel

Eindeutige Botschaft im Stoltze Gässel

Strasbourg Mon Amour (für Flaneure)

Jede Stadt hat ihre Kanten, Ecken, Winkel und Plätze und auch Farben, Gerüche und Stimmungen. Sprechen wir von Charakter und manchmal von Charme. Straßburg ist natürlich (m)ein Paradebeispiel, wo ich immer wieder Neues entdecke, obwohl ich schon so oft durch spaziert bin.

Ich habe mit Leuten gesprochen, die von auswärts kamen und in einem Hotel oder so arbeiten und etwas resigniert klingen. Sie hören sich an wie mit allen Wassern gewaschene Touristen, die auch eine Großstadt wie Wien in einem halben Tag abhaken, so sind sie auch mit Strasbourg schnell durch. Als Tourist muss man eine Bootsfahrt machen, einmal ins Münster hinein und falls Puste auf die Plattform hoch, ein bisschen Fachwerk, ganz sicher aber ein Choucroute Royale in Petite France verschlingen, dazu einen zu süßen Wein trinken, den Duft von frischem Baguette einatmen und optional einen Kugloff auf die Hand. Jetzt sind wir glücklich – und fertig mit der Stadt. (Und wir wissen: nichts!) Weiterlesen

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Gelesen: Franz Keller

Er hat viel zu erzählen: Der ehemalige Sternekoch Franz Keller von Anja Jahn fotografiert

Er macht die Leute gleich zweimal fertig, einmal mit seiner Kochkunst und das zweite Mal mit seiner direkten Art. Der ehemalige Sternekoch Franz Keller von Anja Jahn fotografiert

Sodbrennen

Alte Männer, zornige Männer. Der aus Oberbergen stammende Franz Keller Junior (Jahrgang 1950) ist in den besten Jahren und wie viele andere auch, sagt er was er denkt. Seine Autobiographie „Vom Einfachen das Beste“ schrammt nur knapp an einer Suada vorbei. Wie ein Metzger der sein Handwerk versteht, zerlegt der ehemalige Koch und heutige Landwirt Franz Keller affige Moden, die Bio-Lüge und unsere Landwirtschaftspolitik. Delikatessen gibt’s kaum, dafür stinkt’s bös‘ zum Himmel. „Warum ist selbst eine Partei wie die Grünen nicht in der Lage einen ökologischen Masterplan aufzustellen?“, klagt er an. Der Leser braucht gute Nerven, wenn er von Industrie-Kalbfleisch und Hybridschweinen liest und wie den Kühen das Wiederkäuen abgewöhnt wurde. Warum und wie wurde ein „angesehener Sternekoch“ (Witzigmann) zum kompromisslosen Rinderzüchert und Kämpfer? Das ist die spannende Story, in diesem sauber und mit Schwung geschriebenen Buch. Franz Keller berichtet wie es damals in Oberbergen zuging, als man die Trauben ein zweites Mal presste um einen sauren Hauswein zu bekommen, wie der Schwarze Adler dank Amouren französischer Herrschaften zu etwas besonderem wurde und seine Mutter Irma zu Deutschlands erster Sterneköchin. Das Verhältnis zum eifersüchtigen Vater wird aufgerollt und die französischen Abenteuer erzählt. Diese Schnurren sorgen für Heiterkeit, allerdings war Küche damals unter dem „Kontrolletti“ Bocuse ein eisenhartes Geschäft. Franz Keller schrieb später in Deutschland Geschichte, weil er als erster Sterne-Restaurant und preiswertes Bistro gleichzeitig betrieb und bei Max Grundig auf der Bühler Höhe zu Deutschlands bestbezahltesten Koc wurdeh. Der Milliardär schasste ihn dann, weil er ihm „Sodbrennen“ bereitete, aber nicht als Koch, sondern weil Keller schon damals Klartext sprach. „Vom Einfachen das Beste“ ist ein lehrreiches und ein unterhaltsames Buch von einem der dabei war. Das Buch hat viele Leser gewonnen, aber es braucht noch mehr, damit sich nicht nur bei denen etwas ändert, die „im starken Lobby-Filz gefangen sind“. Franz Keller gibt ein paar schöne Rezepte für Linsensuppe und Bratkartoffeln mit und lässt das Buch optimistisch ausklingen. „Also ab in die Küche …“

Franz Keller „Vom Einfachen das Beste“ | 256 Seiten | Westend Verlag | 24 Euro

Gut zu wissen: „Die Haeberlins sind ein ganz toller Familienbetrieb. Da geht es heute noch sehr nett und freundlich zu.“

Kaum zu glauben, aber in dieser süßen Landschaft presste man früher die Trauben ein zweites Mal für den "Haustrunk"

Kaum zu glauben, aber in dieser süßen Landschaft presste man früher die Trauben ein zweites Mal für den „Haustrunk“

"Vom Einfachen das Beste", heißt das Buch ist das Motto von Franz Keller

„Vom Einfachen das Beste“, heißt das Buch und ist das Motto von Franz Keller

10 Tipps: Sommer im Elsass

Boot fahren wie hier in Straßburg ist auch schön im Sommer, aber es gibt noch mehr ...

Ahoi! Boot fahren wie hier in Straßburg auf der Ill ist auch schön im Sommer, aber es gibt noch mehr …

Sommerberg oder Sonnenberg?

Was macht man im Sommer im Elsass, wenn’s für eine Wanderung zu heiß ist? Okay, wir verziehen uns in einen Weinkeller, planschen im Lac du Aalfeld, rudern um die presquîle Malraux in Straßburg, schlecken Eis in Colmar … Hier zehn weitere Tipps für einen wunderbaren Sommer 2018 im Elsass.

1) Merguez essen

Die Merguez sind zwar nicht typisch elsässisch, aber dafür typisch französisch und darum auch wieder typisch elsässisch. Am Grenzübergang Nonnenweier steht die beste Wurstbude alter Schule. Alles andere soll der Patron erzählen.

Grenzübergang Nonnenweier | im Sommer so gut wie täglich

2) Fahrrad fahren

Straßburg hat das beste Radnetz Frankreichs, aber auch die Weinstraße und die Vogesen (Muskeln!) sind die Treterei wert. In den Office de Tourisme gibt es Radkarten, die gerade auf den neuesten Stand aktualisiert wurden. Weiterlesen