Gelesen: „A Casa“

Näher am guten Brot ist keiner. Claudio del Principe fotografiert von seinem Sohn Delio (ZVG, AT-Verlag)

Wirft er jetzt einen Korb? Einen Brotkorb? Claudio del Principe fotografiert von seinem Sohn Delio (ZVG, AT-Verlag)

Nummer vier war auch schon super …

Es ist da!“, jubelt Claudio Del Principe über sein fünftes Buch „al forno“, das hält uns aber nicht davon abhält den Berg Bücher abzuarbeiten und sein „A Casa“ von Anno Tobak* vorzustellen. Das ist ein ganz wunderbares Buch, weil es nämlich ein Buch ist und keine Ansammlung von Fotos.

Was ist so wunderbar am millionsten Kochbuch, dass diese Welt braucht oder eben nicht? Es ist ganz klar die Leidenschaft, auch wenn dieses Wort schon arg oft bemüht wurde. „Ohne Kochen würde ich depressiv werden“, bekennt der in der Schweiz lebende Autor und Fotograf Claudio Del Principe. Dieser schreibt beseelt, profund und quirlig über das Essen und das Kochen und die Lebensmittel. So textlastig wie hier sind wenige Bücher. Sogar Autoren die es können, ich nenne keine Namen, geizen mit Wörtern wie eine Figur von Charles Dickens.

Dieser Wälzer von Buch rollte das Jahr von vorne auf und beginnt am 1. Januar mit „Laib und Seele“ und führt ins Brotbacken ein. Ja sowas aber auch! Das hätte man von einem Italiener nicht erwartet, dass er den Sauerteig (Lievito Madre) feiert. Ist aber so. Brot zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch, am 24. Dezember schreibt er über „immer luftige Poren, krachende Kruste und ein hoch aromatisierter Geschmack“. Claudio Del Principe ist der Ansicht, dass es beim Brot backen nicht ganz so exakt zugehen muss. Ob er recht hat?

Nach eigenen Aussagen will er „mehr echtes Essen und weniger Pinzettenküche“, was auch gelingt. Die 200 Rezepte sind bodenständig, relativ einfach und natürlich mit Raffinesse. Eine Auswahl: Spaghetti (natürlich selbst gemacht!), Sandwich mit Pizza bianca, Focaccia aus Dinkelmehl, Schmorbraten, Karottensalat mit Kabumm, Schüfeli, „die einmalig gehaltvolle Minestrone“ (gemacht mit Resten vom Schüfeli), Essigzwiebeln und natürlich auch Kuchen und Desserts und eine Adresse fürs Eis in Milano. Lust!

Make Röschti great again

Das liegt wiederum auch an der Fotografie, denn das kann er auch. (Ja was kann er nicht?) Hier hält sich der Einsatz von rustikalen Oberflächen und Hintergründen bescheiden, dafür wird das Produkt gefeiert. Das gefällt! Mit einer ganz besonderen Note, versteht sich. Claudio Del Principe gibt den kulinarischen Grenzgänger, in einer Hühnersuppe schaut gruslig eine Kralle hervor, ein Calamari liegt wie ein vom Himmel gefallener Außerirdischer in einer gelb-roten Lache und „der Oktopus auf acht Arten“ erinnert an ein Monster. Die Farbverläufe von Tiefrot ins Braune ins Schwarze ins Blutrote sind auch eine Granate für sich. (Bei diesem Foto könnte man denken, dass man nicht ein Lebensmittel verspeist, sondern seinen Feind.)

Dem Autor, dem „einen gewissen Hang zum Dandyismus“ nachsagt wird (zumindest von Christian Seiler im Vorwort) ist ein superbes Buch gelungen, das Bauch und Hirn zugleich anspricht und für bestimmte Tage die eine oder andere goldene Idee parat hat. „Make Röschti great again“ ist nicht nur gut gesagt, sondern sollte Programm sein. Der Autor macht so viel Appetit, dass man am liebsten mit einer guten Flasche Wein beim Autor vorbei schauen möchte. Was gibt’s heute? Was ist im Ofen? Was in der Pfanne? Dann gemeinsam spachteln, mit vollem Mund „köstlich!“ und „Brot?“ schmatzen und mit eben diesem den tiefen Teller auswischen. Das macht man zwar nicht, aber man wäre ja „a casa“ und da ist vieles erlaubt.

http://www.anonymekoeche.net

Claudio Del Principe | A Casa: Gut kochen. Besser essen. Jeden Tag | AT Verlag | 320 Seiten | 39,90 Euro

*2017 (die Zeiten sind so schnelllebig …)

Richtigstellung: „Kochen sei total easy und kostet nicht viel Zeit. Das ist eine fette Lüge.“ (Claudio Del Principe)

Weisheit: „Ich brauche kein Rezept. Ich bin Italiener.“ (Unbekannt)

Ratschlag: „Iss nicht zu viel auswärts. Du ruinierst dir den Magen. Nirgends isst du besser als zuhause.“ (Claudio Del Principes Vater Angelo)

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