2250 Zeichen (2)

Störche klappern auch in Franken, sehr viele sogar (Fotos: Pascal Cames)

2250 Zeichen heißt die neue Serie, die am Sonntagmorgen auf ziemlich genau 2250 Zeichen ein Thema aus Baden oder dem Schwarzwald aufgreift. 

Ist Franken das neue Elsass?

Wer als Lokalpatriot inder Fremde weilt, vergleicht. Der eine erkennt in der Mezquita in Córdoboa die eigene Dorfkirche, im Amazonas den Taubergießen, in der Toskana die Ortenau oder die Couronne d’Or. Aber es gibt Gegegenden, die den Vergleich lohnen, wie z.B. Franken und das Elsass. Um diese beiden Regionen geht es dieses Mal. Weiterlesen

Lesetipp

Was sagt der Maje? Guet, sagt der Maje. (Foto Pascal Cames)

Colmar’s great!

Colmar ist großartig, stelle ich jedes Mal fest, wenn ich dort bin. Nein, die Kleinstadt wird immer großartiger, weil ich immer mehr entdecke, nicht nur Köstliches für Kehle und „Maje“ sondern auch fürs Auge, die Gassen, Torbögen, das Unterlinden Museum oder diese Figur von Auguste Bartholdi. Sie heißt „Der junge elsässische Winzer“ und stammt aus dem Jahr 1869. Junge Winzer haben’s gut, sie können aus dem Fass trinken … Zumindest war es mal so. Heute gehen Weinproben anders, wie man in „Drei Tage in Colmar“ nachlesen kann. Die Story stand in #heimat Schwarzwald*, fotografiert hat Jigal Fichtner. Das Magazin kann man übrigens nachbestellen.

http://www.heimatschwarzwald.de/leseproben/mein-wochenende-in-colmar/

*leider mit falschem Timing, denn Corona kam dazwischen …

Straßburg nach Corona

Masken auf dem Markt in la Neustadt (Fotos: Pascal Cames)

Straßburger Maskenball

„Changez d’air“ betitelte die DNA eine Publikation, die all die schönen Dinge (Konzerte, Volkstanz, Flammkuchen, Schweinefest, Weinwanderung, etc.) für dieses Frühjahr ankündigte. Bekanntlich wurde aus dem „Tapetenwechsel“ null. Aber seit ein paar Wochen darf Frankreich wieder Frankreich sein und „das Hamsterrad dreht sich wieder“, wie eine Bekannte aus Straßburg sagte. Und feiern? Weiterlesen

Gelesen: Der Hans im Florival

Typisch Egen: „Die vollkommenste unter ihnen, die von Murbach, treibt es in ihrer Demut gar so weit, dass sie auf ihr Kirchenschiff verzichtet.“ (Über die Klosterkirche Murbach), Fotos Pascal Cames

Der Mittelpunkt der Welt

Wer das Elsass liebt, wird das Buch und den gleichnamigen Film „Die Linden von Lautenbach“ (mit Mario Adorf) kennen und in guter Erinnerung haben. Warum also mit Der Hans imFlorival von Jean Egen nochmal vom Gleichen? Zum einen kann man vom Egen’schen Wortwitz nicht genug bekommen und zum anderen ist das Thema unerschöpflich. Erinnern wir uns: das Elsass ist der Mittelpunkt der Welt, der „Elsässer Sauerstoff“ wahrscheinlich die beste Medizin überhaupt. Der 1920 in Lautenbach geborene Jean Egen (eigentlich Jean Egensperger) war zwar ein gebürtiger Elsässer aus Lautenbach, aber aufgewachsen ist er in Audincourt in der Franche-Comté, wo es zu jener Zeit eine elsässische Kolonie gegeben hat, entstanden durch den Exodus nach 1871. Weiterlesen

Gelesen: Mit Wein Staat machen

Weinberge in Durbach. Damit lässt sich Politik machen … (Foto: Pascal Cames)

Wein als Schmierstoff der Diplomatie

Im Wein liegt bekanntlich nicht nur Wahrheit, sondern auch Status und Prestige. Darum ist es das Getränk schlechthin, wenn Politiker zusammen kommen. Knut Bergmann hat dazu das wunderbare „Mit Wein Staat machen“ geschrieben, dass die Geschichte der Bundesrepublik und der DDR Revue passieren lässt. Das Buch ist zwar vor über zwei Jahren erschienen, aber es ist zeitlos!

Gibt es ein besseres und edleres Getränk als Wein für Menschen, die etwas wichtiges zu besprechen haben? Aus diesem Grund und weil es auch ein repräsentatives Getränk ist, wird Wein auf dem diplomatischen Parkett eingesetzt. Ein Land kann sich glücklich schätzen, wenn es eigenen Wein hat. Deutschland war Jahrzehnte ein no go für Rotweintrinker, sodass Rouge aus Bordeaux oder dem Burgund ausgeschenkt wurde, beim Perlwein hieß die bessere Alternative immer Champagner. „Weißwein ging immer“, aber die besten Tropfen wurden selten ausgeschenkt. Knut Bergmann mokiert sich hier öfters über einen südbadischen Gutedel. Weiterlesen

Auf dem Markt (1)

Helmut Weisser alias der Schmelzebeck, im Hintergrund hängen gerauchte Würste, auf badisch würde man wohl geräucherte Würste sagen, Foto: Pascal Cames

Der Schmelzebeck (Offenburg)

„Wenn nichts mehr Sinn macht, dann gewinnt jede Einzelheit an Wert“, schreibt der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder in seinem Roman „39,99“. Was sind Einzelheiten? Besteht nicht der ganze Alltag aus Einzelheiten? Das vor die Tür treten, den Nachbar grüßen, der Einkauf beim Bäcker, der Gang über den Markt? Ja, genau, in der ganz tristen Corona-Zeit, als der Weltuntergang dämmerte, war der Markt ein Stück angstfreie Zone, die den Alltag und die Woche strukturieren half. Es war fast wie früher. Und heute im Zeitalter der Masken ist der Markt zu einem anderen Symbol der guten alten Zeit geworden. An dieser Stelle werden zukünftig Porträts von Marktständen kommen. Gehen wir Kommissionen machen und kaufen Brot beim Schmelzebeck!

Brezel? Ich weiß auch nicht!

Manchmal ist er schon um 8 Uhr am Lindenplatz, meist aber ein bisschen später. Kaum hat er den Anhänger mit der Aufschrift „Schmelzebeck“ geparkt, geht’s schon los. Helmut Weisser (53) hat kaum Zeit sich die Schürze umzubinden, dann kommen schon die ersten und wollen ein Dunkles oder ein Sauerteigbrot (die einen sagen so, die anderen so) oder eine Brezel („die kleine oder die große?“) oder ein Stück Kuchen. Mit Nuss oder mit Mohn? Weiterlesen

Postkarte aus: Obernai

Postkarte aus: Obernai

Herrlich blauer Himmel, Sonnenschein – und alles ist wie immer in Obernai (ehemals Oberehnheim) an der Weinstraße. Dass Onkel Hansi nicht ums Eck kommt, liegt nurdaran, dass er bekanntlich schon lange irgendwo anders zeichnet, aber ansonsten ist hier alles beim alten. Kein Neubau nirgends. Sogar Autos dürfen noch durch die ehemalige Freie Reichsstadt rollen, auch wenn es schon eine Weile eine Umfahrung gibt. (Und niemand regt sich auf!) Wir fahren rein, parken hinter der Kirche, entdecken eine Pâtisserie mit süpér Berliner, ein Café wo’s zum Kaffee schwarz ein Stückchen Armer Ritter (els. Bettelmann) gibt und noch eine weitere tolle Bäckerei mit Saurteigbaguette  Aber, es wird nicht verraten wo. Hinfahren, entdecken, Freude!  (Foto: Pascal Cames)

Weinmesse Straßburg 2020

„Wie soll ich es sagen? Dieser Wein schmeckt göttlich!“ (Foto: Pascal Cames)

Bioweine und mehr

Straßburg ist ein Fest fürs Leben, zumindest für ein Leben mit Wein. Jedes Jahr wenn auf der anderen Rheinseite die Fasnacht aufdreht, brummt in Straßburg die Weinmesse des Syndicat des Vignerons Indépendants de France. Frankreichs Unabhängige Winzern sind in aller Regel Einzelkämpfer und pure sang für ihre Sache, aber wenn es ums Vermarkten geht, halten sie zusammen wie die berühmten Musketiere und veranstalten Weinmessen, die das ganze Spektrum der französischen Weinkultur abbilden. Weiterlesen

Kochbuch: St. John

Alles muss mit!

Wie aus heiterem Himmel kommt der nächste Hammer aus Great Britain. Fergus Henderson hat mit „St. John“ wieder ein Buch geschrieben und natürlich lohnt es sich, auch wenn man seinen Klassiker „Nose to tail“ schon gelesen hat. Nach der Lektüre bleibt wirklich nur eine Frage offen: Was machen wir denn mit der Speiseröhre? Die kriegt Nachbars Katze, wurde einstimmig beim Kutteln essen beschlossen.

Lungen, Lebern, Lebenslust

Der englische Koch Fergus Henderson hat ein neues Buch geschrieben und alle, alle werden wieder begeistert sein. Aus gutem Grund: was andere nur als Wort in den Mund (Nachhaltigkeit) nehmen, nimmt er verdammt ernst. Er verwertet jedes Stück Fleisch, die Lungen, die Lebern, nur mit der Speiseröhre weiß er immer noch nichts anzufangen. Hendersons Buch ist nach seinem Restaurant St. John in London betitelt, der Leser braucht aber keine Angst haben, dass die Rezepte überkandidelt sind. Alles ganz easy. Weiterlesen

Stille Einkehr

Hier könnte es schön werden … Resto, irgendwo im Nordelsass (Foto: Pascal Cames)

Essen (gehen) wie früher

Ein Abend im d’accord-Elsass, irgendwo in Straßburg. Hier gibt es keine Pommes frites und die Smartphones bleiben in der Tasche. Wer hier hockt hat keine Unverträglichkeiten, weltanschauliche Verbote oder Krankheiten. Alles gesund und munter und hungrig. (Das Foto hat nichts mit der Beitz zu tun, einfach nur zur stimmungsvollen Bebilderung.)

Wie heimlich verabredet, stehen die Leute vor dem Eingang der Winstub oder des Restaurants. Man kennt sich nicht, aber alle wissen, ab 19 Uhr darf man eintreten, danach hat man zwei Stunden Zeit für einmal die Speisekarte rauf und runter mit Schnaps und Kaffee. Wie’s beliebt. Alle die anstehen, haben reserviert. Also geht alles seine wohlgeordneten Gang: warten, mit dem maître sprechen, sich installieren. Klar, es ist eng. Alle wollen jetzt gut essen. In diesem Fall ist eng gemütlich. Weiterlesen