Mittagessen (noch besser) wie daheim

Das ergibt ein paar Portionen für das Tagesessen ... (Pot-au-feu von Emmanuel Waltisperger), Foto: Pascal Cames

Das ergibt ein paar Portionen Tagesessen … (Pot-au-feu von Emmanuel Waltisperger), Foto: Pascal Cames

Das Mittagessen ist wichtig!

Aus Anlass desNational Make Lunch Count Day(dt. Mittagessen-ist-wichtig-Tag) eine wehmütige Erinnerung und eine Verbeugung für einen Ort, wo es fast „wie daheim“ ist. An diesem Ort treffen wir uns, auch wenn es sehr weit draußen ist in der elsässischen Prärie. Der heiße Teller wird zum Lagerfeuer, an dem wir unsere Erinnerungen austauschen. (Und logisch, alle essen das Gleiche, da haben wir schon ein Thema …)

Mittagessen? Das ist schwierig heute, die Eltern sind beide arbeiten, die Kinder sitzen in der Mensa oder kaufen sich bestenfalls einen Döner und im schlimmsten Fall eine Tüte Chips und eine 1,5 Liter Flasche Cola. Waren das Zeiten als sich alle mittags daheim (was für ein Wort!) am Tisch trafen und montags die Restle vom Sonntag verspeisten, dienstags eine Nudel-Suppe auslöffelten und freitags Fisch oder Pfannkuchen mampften. Vorbei, vorbei, Junimond.

Heute sitzt man mit Kollegen zu Tisch und das kann ganz gut sein oder auch ganz schlecht, weil das Tagesessen so grottig ist. (Und ja, ich weiß, wovon ich rede!) Reden wir nicht darüber, sprechen wir von den Adressen wo es gut ist. In Hirtzfelden (Haut-Rhin) zum Beispiel, wo der Chef vom Côte Cuisine („das Restaurant um die Ecke“) mittags Vit’Time, als schnell und „wie d’heim“ kocht und jeden Tag alle 50 Plätze belegt sind und logisch, alle 50 Tagesessen gehen weg, wie geschnitten Brot.

Der Chef von Küche und Restaurant, Emmanuel Waltisperger, macht eine lustige Beobachtung. Die Gäste, die zum ersten Mal mittags bei ihm sind, bestellen sich nicht das Menu du jour und kiebitzen aber beim essen immer auf die Nachbartische mit dem Tagesessen. „Ist ja gar nicht schlecht“, scheinen die Leute zu denken. Beim zweiten Besuch bestellen sie dann auch das Tagesessen und dann immer wieder. Wie daheim, wo auch alle das gleiche essen …

Menu du Jour / Tagesessen, 14,50 Euro

Côte Cuisine | 1, Rue de Schmollgasse (von Fessenheim kommend direkt an der Hauptstraße) | Hirtzfelden | Tel. 0033389748196 | www.cote-cuisine-restaurant.com

Auch wichtig: die richtige Dosis Salz

Auch wichtig: die richtige Dosis Salz

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Ausstellung: Roumanie – România

Blick aus der Fotogalerie "La Chambre" am Austerlitz-Platz, Straßburg

Blick aus der Fotogalerie „La Chambre“ am Austerlitz-Platz, Straßburg

Ein klingeln aus ferne Zeit

Roumanie – România“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Straßburger Fotogalerie La Chambre, die von einem fremden Land im Osten erzählt. Fotografiert hat der gebürtige Rumäne Petrut Calinescu. Bis kommenden Sonntag ist die Ausstellung noch zu sehen. Weiterlesen

100 Jahre Tomi Ungerer*

Blick in eine Glasvitrine mit Spielzeug von Tomi Ungerer und der Künstler, der dem Fuchs predigt

Blick in eine Glasvitrine mit Spielzeug von Tomi Ungerer und der Künstler, der dem Fuchs predigt

* Als ich diese Zeilen im Januar 2019 schrieb, dachte ich, dass Tomi Ungerer (1931-2019) so unsterblich ist wie das Elsass, und habe den Text auf den 28. November 2031 terminiert. Gestern ist Tomi Ungerer in Irland verstorben … Ein paar Zeilen zu diesem unglaublichen guten Zeichner und Schreiber, der so so viel Freude bereitet hat und so viel Schrecken verbreitet. Ohne ihn ist die Welt ärmer, aber vorallem verliert das Elsass (s)einen Fürsprecher.

Zu Tomi Ungerers 75. Geburtstag (2006) war ich so unverfroren und habe im Regio Magazin Robert Gernharts Gedicht „Deutung eines allegorischen Gemäldes“ um eine Strophe erweitert. Nach dem Weinreinbringer als Trostspender, lasse ich eine weitere Person auftreten. Als ungebetenen Gast bringe ich den „Spiegelvorhalter“ Tomi Ungerer ins Spiel. Die hohe Zeit des ätzenden Strichs war für den Elässer zwar damals schon vorbei, aber seine Bilder waren immer noch so präsent, wie ein Tattoo, auch wenn es vor langer Zeit gestochen wurde. Tomi Ungerer war nicht nur Oncle Tomi, sondern immer noch das enfant terrible, der Bürgerschreck, für einige bestimmt auch Lüstling, Wüstling und Nestbeschmutzer. Jetzt werden ihn alle vermissen.

Der sechste kommt / mit Farben am Rock / und tintenschwarzen Fingern / das wird der Spiegelvorhalter sein.

Pilze 2018

In Sachen Pilz ein Glückspilz ...

Der Glückspilz, der geradewegs in die Pilze geht (aber nach rinks und lechts sollte man schon schauen …)

 

 

 

Und es gibt sie doch

Jedes Metier hat seinen Papst und Gegenpapst. Beim Thema Pilze sind sich aber dieses Jahr alle einig. Zu trocken, vergiss es, nicht einmal in den Alpen hat es welche, nächstes Jahr wieder, so lautet das einhellige Statement zur Lage der Pilznation. Da ist nirgendwo was zu holen und darum atmete der Schreiber dieser Zeilen auf, denn somit können Wanderungen Wanderungen sein, ohne den ein oder anderen Abstecher und Schlenker in die Kräuter oder unter Buchen Aber auch dieses Jahr hat so seine Überraschungen und zwar wurden in den Hochvogesen (wo genau wird dieses Mal nicht verraten) ein schönes Körbchen Steinpilze gepflückt. Ein Jogger aus dem Elsass japste by the way ein „hab‘ auch schon Steinpilze gefunden“. Wie jeder weiß und mancher bemängelt: Die Vogesen sind nicht die Alpen, sie sind nicht so hoch, aber sie stecken voller Überraschungen.

Gelesen: Gutenberg und das Geheimnis der Sibylle

Abb. Verlag Éditions Du Signe

Damals wie heute ein must go, das Straßburger Münster (Abb. Verlag Éditions Du Signe)

Etwas was die Welt veränderte

Heute ist ein besonderer Tag. Immer an der Sommersonnenwende fuhren Straßburger Drucker auf eine Insel im Stadtteil Montagne Verte (ehemals Stadtteil St. Arbogast) um den Mann zu würdigen, der den Buchdruck erfand. Ihm zu ehren, wurde dieses Jahr eine Graphic Novel veröffentlicht. Natürlich spielt die Story in Straßburg. Weiterlesen

Abgefahren: Route de l’ail des ours

Die frei erhältliche Delikatesse Bärlauch auf einer Waldwiese bei Rebenheim (bitte nicht mit Maiglöckchen verwechseln, die snd giftig!)

Die frei erhältliche Delikatesse Bärlauch auf einer Waldwiese bei Rebenheim (bitte nicht mit Maiglöckchen verwechseln, die sind giftig!)

Voll im grünen Bereich

Bärlauch gehört zu den Pflanzen, an denen sich die Geister scheiden. Die einen würzen damit Suppen und Soßen und verquirlen es zu Pesto, die anderen würden das Kraut am liebsten verbieten. Da es nun mal da ist, kann man es auch touristisch einsetzen … Weiterlesen

Auf Schneeschuhen in den Hochvogesen

Talblick vis-à-vis dem Refuge Trois Fours, es kündigt sich ein Wetterwechsel an

„Da schau, ein Yeti!“ Talblick vis-à-vis dem Refuge Trois Fours, es kündigt sich ein Wetterwechsel an (Fotos Pascal Cames)

Merci Yannick!

Verlänger den Winter! Wo? In den Hochvogesen liegt noch jede Menge Schnee für Langläufer und Schneeschuhwanderer. Und: eine gute Suppe und ein kühles Bier hat es dort oben auch. Allez hop!

Irgendwo zwischen den Tälern der Hochvogesen muss eine Wolkenmaschine sein, denke ich, die unablässig neue, große Wolken in den Himmel entlässt, die dann ostwärts ziehen. Der Himmel ist so blau, wie auf einer Postkarte. Auch die Uhr hat es statisches, sie zeigt schon seit einer Stunde die gleiche Uhrzeit. Es ist zehn vor Acht. Spielt hier oben nahe dem Col de la Schlucht auf dem Fleck Trois Fours die Zeit überhaupt eine Rolle? Hier geht alles langsamer, das mit Süd-Island zu vergleichende Klima sorgt schon dafür, dass Entwicklung wie in Zeitlupe stattfindet. Sogar die Gemsen hauen ab wenn es brutal kalt wird und wenn mal was artfremdes wie eine Tanne hier oben Wurzeln schlagen will, dann hat sie „kein gutes Leben“ wie unser Bergführer sagen wird. Nur Flechten, Moose und Buchen geht’s gut. Weiterlesen