06.06.1966

Zum 50. Todestag von Hans Arp (1886-1966) ein paar Zeilen über den vielleicht wichtigsten Künstler aus dem Elsass.

La mise au tombeau des oiseaux et papillons (1916/17)

.Klickt’s jetzt endlich, dass der Arp ein ganz großer ist?  „La mise au tombeau des oiseaux et papillons (1916/17)“ wurde auch bei der Tristan Tzara Ausstellung gezeigt

Hans aufs Herz

Zum 50. Todestag von Hans „Jean“ Arp

ich bin in der natur geboren. ich bin in straßburg geboren. ich bin in einer wolke geboren.“ So dichtete der gebürtige Straßburger Hans Arp (1886-1966), der es Anno 1916 in Zürich zu Weltruhm brachte. „ARP ist einer der fünf großen dadaistischen Päpste“, schrieb nicht irgendwer, sondern Arp himself in der „Wolkenpumpe“. Weiterlesen

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Straßburg bei Regen (2)

Straßburg bei Reigen mit Blick auf die Paulskirche (Église Saint-Paul) und das rote Schiff

Straßburg wie man es auf keiner Postkarte sieht. Hier am Internationalen Trüben Tassen Tag (ITTT) mit Blick auf die Paulskirche (Église Saint-Paul) und das rote Schiff

Für Straßburg* bei Regen sollte man sich an die gute alte Betonwerbung („es kommt darauf an, was man daraus macht“) erinnern und die Vielfalt der Stadt genießen. Kuchen, Kaffee, Bier geht immer und ein Gang über einen Markt mit all seinen Gerüchen lässt einen vergessen, dass es draußen Katzen hagelt. Dieser Beitrag wird nach und nach erweitert, aktuell um die Markthalle in Neudorf. Grrr, schon wieder Regen! Weiterlesen

Maßlos in Straßburg (Gustave Doré)

Im Straßburger MAMC sind derzeit Werke von GUSTAVE DORÉ zu sehen

 

Tram+Dore

… und auf der Straßburger Tram auch.

Mit Liebe fürs Detail würdigt das Straßburger Museum für Moderne und Zeitgemäße Kunst (MAMC) einen großen Sohn der Stadt. Das Vergnügen hat der Besucher, der nicht nur den vielseitigen Gustave Doré entdeckt, sondern auch dessen Wahlverwandtschaften und Freunde. 30 Jahre sind eine lange Zeit. Während der letzten drei Jahrzehnte gab es in ganz Frankreich kein Museum, das sich Gustave Doré (1832 bis 1883) widmete. Jetzt preisen gleich zwei Kunsthäuser diesen Mann als einen der größten Zeichner Frankreichs.

In Straßburg gab es übrigens schon immer einen Doré zu sehen: Es handelt sich um das von 1867 bis 1872 gemalte Ölbild „Christus verlässt den Gerichtssaal“. In diesem sechs mal neun Meter großen Monumentalbild steckt geballte Power. Verzückte, ohnmächtig werdende, lachende, glückliche, hoffende, bangende Menschen scharen sich um die biblische Lichtgestalt. Kitsch? Womöglich ja, aber es ist eine Lust, in das Bild zuschauen und in den Gesichtern zu lesen. Weitere Ölbilder führen auf den Odilienberg, ins Gebirge und in die Gassen einer elsässischen Stadt, in der Doré eine hübsche Abendszene eingefangen hat. Junge Mädchen schwatzen vor einer goldschimmernden Wand.

Sein Zeichentalent bewies Doré schon recht früh, bereits mit 15 Jahren konnte er sein erstes Buch vorweisen. In Folge ließ er sich von den Großen der Weltliteratur inspirieren, illustrierte Fontanes Fabeln, Cervantes’ Don Quijote, Poes Raven. Doré gierte nach Ruhm und produzierte täglich 15 Zeichnungen. Für Ausstellungskurator Edouard Papet ist er darum ein „Künstler der Maßlosigkeit“. Die Straßburger veranschaulichen aber nicht nur Dorés Größenwahn, sondern auch seine Sicht der Dinge, die auch andere beflügelte. Die Liste ist so lang wie obskur: Paul Klee, John Heartfield, Max Beckmann, Jean Cocteau, Francis Picabia und der als Erfinder des Comics gehandelte Rodolphe Töpffer (1799 bis 1846) werden integriert.

Diese Vielfalt hat einen guten Grund: Gustave Doré komponierte seine Bilder und Bildergeschichten neu und setzte frische Akzente. Licht und Schatten, kurze und lange Striche, die Wahl der Perspektive, das Auflösen von Figuren, des Formats und auch seine seltsame Art von Humor wurden wegweisend. Sein Buch „Die Historie vom Heiligen Russland“ entstand durch den Krimkrieg (1853 bis 1856) und ist als eine Art Geschichtsbuch (Tataren, Iwan der Schreckliche) zu lesen. Die Bildsprache ist mutig. Ein roter Fleck wird so untertitelt: „Kneifen wir angesichts all dieser Verbrechen die Augen zusammen, um nur den Gesamteindruck wahrzunehmen.“ Grausamkeiten à la Doré haben auch ihren Witz. Wenn Köpfe rollen, ist das nicht tragisch. Denkt man an Comics oder an einen Terry Gilliam („Die Abenteuer des Baron Münchhausen“), weiß man, wer hier Pate stand. Dass von Gilliams Film Ausschnitte und von Georges Méliès gar ein Stummfilm aus dem Jahr 1904 zu sehen sind, gibt dieser besonderen Ausstellung zusätzlich Reiz.

Auch als Zeitreise macht „Doré & Friends“ Freude.Wie man im19. Jahrhundert über Tourismus dachte, wie man Großkopfete karikierte und Zeitungen baute, lässt sich anschauen. Und wer Doré an der frischen Luft antreffen will, der sollte ins nahe Petite France schlendern.Vielleicht findet sich dort die goldige Ecke, die er vor fast 150 Jahren malte. Die Mädchen schwatzen immer noch.

DORÉ & FRIENDS, Musée d’art moderne et contemporain (MAMC), Straßburg, bis 25. Mai, geöffnet 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Führungen auf Deutsch am 12. April, 17. Mai jeweils um 15 Uhr.

musees-strasbourg.eu