100 Jahre Tomi Ungerer*

Blick in eine Glasvitrine mit Spielzeug von Tomi Ungerer und der Künstler, der dem Fuchs predigt

Blick in eine Glasvitrine mit Spielzeug von Tomi Ungerer und der Künstler, der dem Fuchs predigt

* Als ich diese Zeilen im Januar 2019 schrieb, dachte ich, dass Tomi Ungerer (1931-2019) so unsterblich ist wie das Elsass, und habe den Text auf den 28. November 2031 terminiert. Gestern ist Tomi Ungerer in Irland verstorben … Ein paar Zeilen zu diesem unglaublichen guten Zeichner und Schreiber, der so so viel Freude bereitet hat und so viel Schrecken verbreitet. Ohne ihn ist die Welt ärmer, aber vorallem verliert das Elsass (s)einen Fürsprecher.

Zu Tomi Ungerers 75. Geburtstag (2006) war ich so unverfroren und habe im Regio Magazin Robert Gernharts Gedicht „Deutung eines allegorischen Gemäldes“ um eine Strophe erweitert. Nach dem Weinreinbringer als Trostspender, lasse ich eine weitere Person auftreten. Als ungebetenen Gast bringe ich den „Spiegelvorhalter“ Tomi Ungerer ins Spiel. Die hohe Zeit des ätzenden Strichs war für den Elässer zwar damals schon vorbei, aber seine Bilder waren immer noch so präsent, wie ein Tattoo, auch wenn es vor langer Zeit gestochen wurde. Tomi Ungerer war nicht nur Oncle Tomi, sondern immer noch das enfant terrible, der Bürgerschreck, für einige bestimmt auch Lüstling, Wüstling und Nestbeschmutzer. Jetzt werden ihn alle vermissen.

Der sechste kommt / mit Farben am Rock / und tintenschwarzen Fingern / das wird der Spiegelvorhalter sein.

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Station to Station

About Schmidt - die Skulptur "La Planete Schmidt" auf der Place Broglie

About Schmidt – die Skulptur „La Planete Schmidt“ auf der Place Broglie

Straßburg: Kunst im öffentlichen Raum

Die einen haben das Geld, die anderen die Kreativität. Kunst war schon immer auch Auftragsarbeit, denn wovon sollen Künstler sonst leben? Nur Leidenschaft macht auch nicht satt und so ist die aktuelle Ausstellung „L’Industrie Magnifique“ im öffentlichen Raum in Straßburg besonders begrüßenswert. Weiterlesen

Evergreen: die Tanne

 Raymond-Emile Waydelich : "Songe d'une nuit d'été en Schwarzwald" ou "Sommernachtstraum im Schwarzwald" 2016 (Musée Tomi Ungerer - Centre International de l'Illustration, Strasbourg Photo Musées de Strasbourg, M. Bertola)


Raymond-Émile Waydelich : „Songe d’une nuit d’été en Schwarzwald“ ou „Sommernachtstraum im Schwarzwald“ 2016 (Musée Tomi Ungerer – Centre International de l’Illustration, Strasbourg
Photo Musées de Strasbourg, M. Bertola)

Mein Freund der Baum oder was wäre die Welt ohne Tannen?

Weißtannen für die Zukunft: Raymond-Émile Waydelich und sein Verhältnis zu Tannen

Dies ist keine Weihnachtsgeschichte, aber eine Geschichte zu Weihnachten. Sie handelt von Traditionen und Nachhaltigkeit. Der auch schon mal der „Andy Warhol des Elsass“ (Martin Graf) bezeichnete Raymond É. Waydlich liebt Weisstannen. Sollte in naher Zukunft wieder ein Baumsterben einsetzen, dem Künstler sei dank, er hat tausende Tannensamen für die Nachwelt gerettet.

Zusammen mit Tomi Ungerer gehört Raymond-Émile Waydelich zu den Monumenten im Elsass. Wie der weltberühmte Ungerer schert sich der 1938 geborene Straßburger Waydelich kaum um Konventionen und – typisch Elsässer – um Grenzen. Und wenn doch, dann zum überspringen, überfliegen oder listigen umgehen. In der Heimat gilt so einer viel. Der Straßburger Bürgermeister Roland Ries schrieb anlässlich der Retrospektive in Offenburg (2017) über seinen Landsmann, dass dieser „aus Straßburg eine Stadt gemacht hat, die mit der Ewigkeit verbunden ist.“ Weiterlesen

Gelesen: Die gute Küche am Oberrhein

Gaumenfreuden für Grenzgänger

Glückwunsch nach Straßburg und Freiburg, wo die Macher von „Die gute Küche am Oberrhein“ / „La bonne Cuisine rhénane“ sitzen. Das auf französisch und deutsch erschienene Kochbuch hat bei den Gourmand World Cookbook Awards den ersten Preis in der Kategorie „Kochbücher für den Frieden“ gewonnen.

Was könnte die Situation am Oberrhein besser verdeutlichen als grüner und weißer Spargel? Bekanntlich lieben Badener und Elsässer das Stangengemüse, bloß die einen so, die anderen anders … Typisch, könnte man sagen. Weiterlesen

Postkarte aus dem Tomi Ungerer-Museum

Hier kommt man unter die Räuber: Straßburg ist (manchmal) eine gefährliche Stadt, Tomi Ungerer (oft) ein gefährlicher Mann. Seine Gedanken sind frei, sein Strich zieht eine Rasierklinge und seine Tusche ist schwarze Säure. So ätzend und black wie er, können es wenige. Und so voller Herz ist er auch, der Kinderbuchautor. Tomi Ungerers „Drei Räuber“ finden sich derzeit auf vielen Bildern. Anlass? Sein 85 Geburtstag. 85 Künstler haben ihm zu Ehren gemalt oder gezeichnet. Happy Birthday!

Hier kommt man unter die Räuber: Straßburg ist (manchmal) eine gefährliche Stadt, Tomi Ungerer (oft) ein gefährlicher Mann. Seine Gedanken sind so frei, sein Strich zieht wie Rasierklinge und die Tusche ist schwarze Säure. So ätzend und black wie er, können es wenige. Und so voller Herz ist er auch, der Kinderbuchautor aus dem Elsass. Tomi Ungerers „Drei Räuber“ finden sich derzeit auf vielen Bildern. Anlass? Sein 85 Geburtstag. 85 Künstler haben ihm zu Ehren gemalt oder gezeichnet. Happy Birthday! Ausstellung: Tomi Ungerer Forever | Musee Tomi Ungerer | 2 Avenue de la Marseillaise | Straßburg

 

Gezeichnet in Straßburg, gedruckt in New York

Das ist nicht Tomi Ungerer

Diese Zeichnungen stammen von Marion Fayolle. Der Herr mit Hut ist übrigens nicht Tomi Ungerer

 

Altmodisch aber gut. Nach wie vor halte ich die Zeitung an sich für eine gute Idee, viele andere wohl auch, denn das Tomi Ungerer Museum informiert via Le Petit Journal über die laufende Wechselausstellung, die auch mit dem Medium Zeitung zu tun hat. Ausgestellt werden junge Straßburger Zeichner, die für die New York Times die Leserbriefseite illustrieren. Das ist ein harte Job, mehr als 24 Stunden bleibt den Künstlern nicht um sich über Gewalt, Fracking, Gesundheit und Psyche ein Bild zu machen. Das schöne an „Fit to print“ ist, dass man sieht, dass es so etwas wie Stil und Fantasie noch gibt!

Mehr dazu bald in Der Sonntag oder direkt in Straßburg im Museum. Heute ist übrigens(erster Sonntag im Monat!) in allen städtischen Museen Straßburgs freier Eintritt.

Führung auf Deutsch: Samstag, 12. März, 15 Uhr

„Fit to print“ | Bis 10. April | Musée Tomi Ungerer | 2, Avenue de la Marseillaise | Straßburg | Mittwoch bis Montag, von 10 – 18 Uhr | musees.strasbourg.eu

 

 

 

 

Dirty Tomi

Unter-16Diese Schau musste kommen, denn Straßburgs einziger lebender Künstler von Weltruf, Tomi Ungerer, mag bekanntlich Frauen, ob nun Frau Holle oder eine Dominatrix namens Astrid. In seiner langen Karriere hat er sie immer wieder gezeichnet. Nicht immer kamen sie gut weg, was nicht verwundert, litt der Künstler doch unter einer allzu dominanten Mutter. Besonders zu empfehlen ist der nicht jugendfreie Keller, Dirty Tomis Fort Knox. In seinem digitalen Zeichenblock blitzt dort im Sekundentakt Ungerers Genie als Zeichner auf. Wie man sieht, hat er nicht nur Lust am Delikaten, sondern auch am Handwerk. Das darf man jetzt auch doppeldeutig verstehen. „Femme Fatales“ stöckelt noch auf sehr hohen Hacken bis Ende Juni in seinem Museum. Auch wenn vieles schon gezeigt wurde, lohnt sich die Ausstellung, da einige Bilder noch nie zu sehen waren – und überhaupt, Tomi Ungerer geht immer.

„Femmes Fatales“ | Museum Tomi Ungerer | Geöffnet tgl. von 10-18 Uhr, Dienstag geschlossen. 6,50 Euro, erm. 3,50 Eur | Führungen in Deutsch am 14. Juni. | Bis 30. Juni | musees.strasbourg.eu