2250 Zeichen: Wilhelm Zwo

So ungefähr sah er aus, der Kaiser. Zu sehen am Kaiserplatz zu Straßburg (Fotos: Pascal Cames)

2250 Zeichen heißt die neue Serie, die sonntags auf ziemlich genau 2250 Zeichen ein Thema aus dem Elsass oder Baden aufgreift. Dieses Mal geht es um Kaiser Wilhelm.

Ja, jetzt auch Offenburg. Morgens früh radel ich in mein Büro und sehe an der Wilhelm-Straße ein rotes Plakat mit einem Porträt von Kaiser Wilhelm. „Wanted“ steht darunter. Jetzt ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis man auch hier eine Straße umbenennen will, so wie in Berlin und anderswo. Wurde auch Zeit, oder? Weiterlesen

Quatorze Juillet

1944 suchten in der Vauban-Festung in Neu-Breisach ein paar Pfadfinder (frz. Scouts) Schutz vor den Bomben. Aus Zeitvertreib haben sie die Wände mit Pinsel bzw. Druckvorlagen bemalt. Hier sehen wir das Wappentier Frankreichs, den gallischen Hahn, der einfach nicht aufhören will zu krähen. (Und rupfen lässt er sich auch nicht.) Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sind ewig und nicht nur heute am 14. Juli (Quatorze Juillet) aktuell. Der Scouts-Raum ist Teil des Streetart-Museums MAUSA.

Must go: Streetart im Elsass

Nicht immer kommt Streetart aus der Spraydose. Hier ein Stück Kunst von Guy Denning aus England (Foto: Pascal Cames)

Wer weiß, wofür es gut ist. Dieser ziemlich abgenutzte Spruch passt wie die Faust aufs Auge auf die Festung in Neu-Breisach östlich von Colmar. Die wurde 1698-1704 von Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban gebaut, wurde aber ziemlich schnell nutzlos, da sich die Waffenindustrie rasant weiterentwickelte. Zwar sieht das UNESCO Weltkulturerbe von oben oder auch auf Google Maps sehr interessant aus, aber die Stadt* intra muros ist todlangweilig. Zumindest war sie das. Zwei völlig von der Streetart infizierte Leutchen haben eine goldene Idee verwirklicht und 2018 in einem kleinen Teil der Festung ein Streetart-Museum namens MAUSA** installiert. Die Künstler reisen dafür aus Rio, New York oder Berlin an, um eine der Kammern zu gestalten, in denen früher Waffen, Lebensmittel oder Uniformen gelagert wurden. Das 1200 Quadratmeter große MAUSA belebt nicht nur die elsässische Provinz, sondern schult auch das Auge. Wer durch Paris oder eine andere Großstadt spaziert, wird früher oder später einen MAUSA-Artist auf den Mauern erkennen. Yeah!

(In Der Sonntag/ Badische Zeitung ist dazu ein Artikel von mir erschienen.)

MAUSA | Place de la Porte de Belfort | Neuf-Brisach | Di-So, 1-19 Uhr, Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro | mausa.fr.

*auch ein Grund zu hinfahren sind die Märkte freitags und samstags im Zentrum von Neuf-Brisach

**Musée Arts Urbains et du Street Art

 

Sehr witzig. Backstein „Vaubanksy“ aus dem MAUSA-Museumsshop