Weinmesse Straßburg 2020

„Wie soll ich es sagen? Dieser Wein schmeckt göttlich!“ (Foto: Pascal Cames)

Bioweine und mehr

Straßburg ist ein Fest fürs Leben, zumindest für ein Leben mit Wein. Jedes Jahr wenn auf der anderen Rheinseite die Fasnacht aufdreht, brummt in Straßburg die Weinmesse des Syndicat des Vignerons Indépendants de France. Frankreichs Unabhängige Winzern sind in aller Regel Einzelkämpfer und pure sang für ihre Sache, aber wenn es ums Vermarkten geht, halten sie zusammen wie die berühmten Musketiere und veranstalten Weinmessen, die das ganze Spektrum der französischen Weinkultur abbilden. Die Weinmesse am kommenden Wochenende wird in die Geschichte eingehen, als diejenige mit den meisten Biowinzern. 129 Biowinzer sind dabei, sowie 15 Winzer mit biodynamischem Anbau und 123 Träger des staatlichen Labels für Umweltschutz. Wer sich aber einfach nur für Rouge aus Bordeaux, Burgund oder dem Rhone-Tal interessiert oder einen Blanc von der Loire wird auch fündig. Und klar, die Elsässer sind auch dabei. Außer Wein hat es zudem Champagner und Crémant. Fazit: Wer hier nichts findet, sollte Bier trinken. (Was es auch gibt!) Zudem darf sich der Besucher auf fette Rillettes-Sandwich freuen, Saucisson, Schinken, Austern und Schnecken und süße Schleckereien wie Nougat. Noch ein Tipp: Eine Flasche Wasser mitnehmen.

Weinmesse der Unabhängigen Winzer, Straßburg, 14 – 17. Februar

Rue Fritz Kieffer (beim Palais des Congrès) | Fr. 11-21, Sa/ So 10-19, Mo 10-17 Uhr | 6 Euro | https://www.vigneron-independant.com/search-salon?salon=104383&keywords=

 

 

 

 

Postkarte aus Mulhouse

Im Elsass haben Straßen und Plätze häufig mehrere Namen, zum einen gibt es den Offiziellen und zum anderen auch noch einen, den es vielleicht in der Kaiserzeit gab und der sich zumindest unter den Einheimischen hält. Damit’s nicht ganz zu preussisch wird, sind die Namen von die Stroß im Dialekt, wie diese hier in Mulhouse, wo eigentlich keine Mundart mehr gesprochen wird. Offiziell heißt sie Rue du Saule. Aber der alte Name ist Wiedabàuim Stroß. Wurde die Stroß nun nach einem Weidenbaum (frz. Saule) benannt oder nach der Tatsache, dass hier wieder ein Baum im (!) der Straße wächst. Und was soll der Accent? Stellen wir fest: Dieser Baum ist keine Weide. Möglicherweise war hier schon mal ein Baum, vielleicht sogar eine Weide. Also könnte beides stimmen. (Foto: Pascal Cames)

Stadtmauern

Das Elsass versetzt einen doch immer wieder ins Erstaunen. Wenn wir an diese schöne Region denken, dann ans Fachwerk, den Storch, an Hansi, vielleicht auch, dass es hier nach Brot duftet und dort schon nach Mittagessen. Das Selbstverständliche wird oft vergessen. Stehen wir vor einer Stadt, dann haben wir eine Stadtmauer vor Augen mit ein paar Türmen und Toren. Dahinter liegt dann der ganze heimelige Budenzauber mit Geranien und so. Die Frage ist aber immer: Warum steht die Stadtmauer noch? Warum wurde der Turm nicht schon langst abgetragen und die Steine anderweitig benutzt? Wahrscheinlich hat schon vor über 100 Jahren jemand gesagt: Das ist schön! So wie hier in Obernai (Zentralelsass) an der Elsässer Weinstraße. (Foto: Pascal Cames)

Kochbuch: St. John

Alles muss mit!

Wie aus heiterem Himmel kommt der nächste Hammer aus Great Britain. Fergus Henderson hat mit „St. John“ wieder ein Buch geschrieben und natürlich lohnt es sich, auch wenn man seinen Klassiker „Nose to tail“ schon gelesen hat. Nach der Lektüre bleibt wirklich nur eine Frage offen: Was machen wir denn mit der Speiseröhre? Die kriegt Nachbars Katze, wurde einstimmig beim Kutteln essen beschlossen.

Lungen, Lebern, Lebenslust

Der englische Koch Fergus Henderson hat ein neues Buch geschrieben und alle, alle werden wieder begeistert sein. Aus gutem Grund: was andere nur als Wort in den Mund (Nachhaltigkeit) nehmen, nimmt er verdammt ernst. Er verwertet jedes Stück Fleisch, die Lungen, die Lebern, nur mit der Speiseröhre weiß er immer noch nichts anzufangen. Hendersons Buch ist nach seinem Restaurant St. John in London betitelt, der Leser braucht aber keine Angst haben, dass die Rezepte überkandidelt sind. Alles ganz easy. Weiterlesen

Bonne Année 2020 !

Homme de Fer wünscht seinen Lesern für 2020 weniger schwarz-weiß-Denken und mehr Graustufen und Farbe(n), Glück, Gesundheit und offene Augen für Entdeckungen, wie diese hier in Straßburg. Schönheit, liegt im Auge des Betrachters, so war es schon immer. (Foto: Pascal Cames)

Stille Einkehr

Hier könnte es schön werden … Resto, irgendwo im Nordelsass (Foto: Pascal Cames)

Essen (gehen) wie früher

Ein Abend im d’accord-Elsass, irgendwo in Straßburg. Hier gibt es keine Pommes frites und die Smartphones bleiben in der Tasche. Wer hier hockt hat keine Unverträglichkeiten, weltanschauliche Verbote oder Krankheiten. Alles gesund und munter und hungrig. (Das Foto hat nichts mit der Beitz zu tun, einfach nur zur stimmungsvollen Bebilderung.)

Wie heimlich verabredet, stehen die Leute vor dem Eingang der Winstub oder des Restaurants. Man kennt sich nicht, aber alle wissen, ab 19 Uhr darf man eintreten, danach hat man zwei Stunden Zeit für einmal die Speisekarte rauf und runter mit Schnaps und Kaffee. Wie’s beliebt. Alle die anstehen, haben reserviert. Also geht alles seine wohlgeordneten Gang: warten, mit dem maître sprechen, sich installieren. Klar, es ist eng. Alle wollen jetzt gut essen. In diesem Fall ist eng gemütlich. Weiterlesen

Suppen & Messer

Was man so braucht im Nordelsass und in der Pfalz, ein Messer für Kastanien (Fotos: Pascal Cames)

Der Weißenburger Wochenmarkt ist ein schöner Ort um das Elsass kennen zu lernen, zum Beispiel kulinarisch und auch was Traditionen und altes Handwerk angeht. Eine gute Adresse ist Peter Knobloch. Der Deutsche ist längst zur Institution geworden. Seine Messer will niemand missen.

Der hagere, grauhaarige Mann mit dem Beret verkauft Messer, die er auch noch selbst gemacht hat. Peter Knobloch ist Karlsruher, wie man immer noch hört und mit Talent der Rede gesegnet. Er hat Lust zu parlieren und da die Nordelsässer noch ganz gut Dialekt können und viele Einkaufstouristen in der Stadt sind, gibt es auch immer ein Publikum für Peter Knobloch. Manche verbringen eine ganze Stunde am Stand Weiterlesen