2250 Zeichen: Wilhelm Zwo

So ungefähr sah er aus, der Kaiser. Zu sehen am Kaiserplatz zu Straßburg (Fotos: Pascal Cames)

2250 Zeichen heißt die neue Serie, die sonntags auf ziemlich genau 2250 Zeichen ein Thema aus dem Elsass oder Baden aufgreift. Dieses Mal geht es um Kaiser Wilhelm.

Ja, jetzt auch Offenburg. Morgens früh radel ich in mein Büro und sehe an der Wilhelm-Straße ein rotes Plakat mit einem Porträt von Kaiser Wilhelm. „Wanted“ steht darunter. Jetzt ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis man auch hier eine Straße umbenennen will, so wie in Berlin und anderswo. Wurde auch Zeit, oder? Weiterlesen

2250 Zeichen (4): Risse

Alte Hütte, wie lange noch? (Fotos: Pascal Cames)

Risse vs. die neue Weißheit

Den Riss, der sich durch die Gesellschaft zieht, hab‘ ich genauso vor Augen, wie den Riss im alten Bauernhaus. An beiden kann ich nichts ändern, der eine wird heute einfach mal so mit Gleichmut hingenommen, der andere regt mich zum nachdenken an.

Es handelt sich um ein altes Häuschen im Staedtel, wie die kleine Siedlung auf La Petite Pierre (Lützelstein) im Nordelsass heißt. Das Haus könnte überall zwischen Weißenburg und Pfirt stehen, eher dort wie auf der anderen Rheinseite. Weiterlesen

2250 Zeichen (3)

Was könnte hier zu sehen sein? Ein Bollenhut? Die Schwarzwaldmarie? Eine Kuckucksuhr? (Foto: Pascal Cames)

2250 Zeichen heißt die neue Rubrik, weil sie ziemlich genau 2250 Zeichen lang ist. An dieser Stelle schaue ich mich links und rechts des Rheins um. Was gibt’s neues? Was Bollenhut! Ja wirklich, ein alter Hut. Trotzdem lohnt es sich über die Geschichte der Entstehung nachzudenken.

Bilder dieser Kopfbedeckung (Dystopie)

Was wäre wenn? Als durch die neu gebaute Eisenbahn der Kunstmaler Wilhelm Hasemann (1850-1913) und Konsorten in der zweiten Hälfte des 19. Jh. nach Gutach (Schwarzwaldbahn) kamen, entdeckten sie im Kinzigtal nicht nur die aparte Schwarzwälderin, sondern auch eine besondere Kopfbedeckung: den Bollenhut.

Weil besagter Maler und Kollegen die Bollen (hochdeutsch Kugeln) immer etwas größer malten als sie in echt waren, wurden die Bollenhutmacherinnen angespornt, die Bollen immer größer und größer zu machen. Größer ist besser, diese Gleichung ist bekannt. Damals wogen die Bollen ein Pfund (500 gr), heute bringen sie es auf 2 kg. Was wäre gewesen, wenn Wilhelm Hasemann länger gelebt hätte? Wenn es statt 63 Lenze 93 Jahre alt geworden wäre! Oder 103! (Bekanntlich wird der Schwarzwälder steinalt, der Zugereiste dann wohl fast steinalt.) Dann wäre dieses Wettrennen zwischen Kunst und Wirklichkeit immer weiter gegangen und hätte vielleicht immer absurdere Züge angenommen. Weiterlesen

2250 Zeichen (2)

Störche klappern auch in Franken, sehr viele sogar (Fotos: Pascal Cames)

2250 Zeichen heißt die neue Serie, die am Sonntagmorgen auf ziemlich genau 2250 Zeichen ein Thema aus Baden oder dem Schwarzwald aufgreift. 

Ist Franken das neue Elsass?

Wer als Lokalpatriot inder Fremde weilt, vergleicht. Der eine erkennt in der Mezquita in Córdoboa die eigene Dorfkirche, im Amazonas den Taubergießen, in der Toskana die Ortenau oder die Couronne d’Or. Aber es gibt Gegegenden, die den Vergleich lohnen, wie z.B. Franken und das Elsass. Um diese beiden Regionen geht es dieses Mal. Weiterlesen

Quatorze Juillet

1944 suchten in der Vauban-Festung in Neu-Breisach ein paar Pfadfinder (frz. Scouts) Schutz vor den Bomben. Aus Zeitvertreib haben sie die Wände mit Pinsel bzw. Druckvorlagen bemalt. Hier sehen wir das Wappentier Frankreichs, den gallischen Hahn, der einfach nicht aufhören will zu krähen. (Und rupfen lässt er sich auch nicht.) Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sind ewig und nicht nur heute am 14. Juli (Quatorze Juillet) aktuell. Der Scouts-Raum ist Teil des Streetart-Museums MAUSA.

2250 Zeichen (1)

Ah, eine Wasserstraße! So könnte es in Zukunft vielleicht auch in der Rue Zurich ausschauen  (Foto: Pascal Cames)

2250 Zeichen heißt die neue Serie, die am Sonntagmorgen auf ziemlich genau 2250 Zeichen ein Thema aus Baden oder dem Schwarzwald aufgreift. Dieses Mal geht es um Straßburg und sein Verkehrsnetz.

Straßburger Wasserzeichen

Straßburger machen was mit! Straßen werden gesperrt oder umgeleitet und Gehwege verbreitert, neue Radwege angelegt, Abzweigungen bewusst unpraktisch gestaltet – und es ist noch immer nicht genug. Es wird immer weiter am Rad gedreht, damit dieses irgendwann mal still steht.

Die Alternative zur Straße liegt nicht auf dem Mars, sondern auf dem Wasser. Weiterlesen

Ansichtssache: der Hirschgott

Cernunnos, der keltische Hirschgott, der für Tiere, Natur und Fruchtbareit steht, wurde auf der Rückseite einer großen Wanderkarte in den Nordvogesen verewigt. Was aber die roten Schuhe (oben rechts) damit zu tun haben, bleibt (s)ein Geheimnis. (Foto: Pascal Cames)

Gutes Geschäft

Der Stoff aus dem Träume sind … (Fotos: Pascal Cames)

Alter Stoff & neue Ideen

Stutzheim ist ein Bauerndorf vor den Toren Straßburgs im Ackerland-Kochersberg. Hier sind manche Scheunen so groß, dass man drei Häuser unterbringen könnte. Von Schneidern hat man hier draußen schon lange nichts mehr gehört, aber die alte Idee einer Schneiderei und eines Stoffgeschäfts lebt, dank der Aussteigerin Marie Fabbro.

Wenn jemand kurz vor Ladenschluss die Tür öffnet und mit leiser Hoffnung fragt, ob offen ist, dann sagte Marie Fabbro: „Je suis la, pas probleme“, also ich bin da, kein Problem. Unkompliziert. Ladengeschäfte wie die Boutique „Le fil amant“ in Stutzheim-Offenheim sind längst zu einer Rarität geworden. Weiterlesen

Lesetipp

Was sagt der Maje? Guet, sagt der Maje. (Foto Pascal Cames)

Colmar’s great!

Colmar ist großartig, stelle ich jedes Mal fest, wenn ich dort bin. Nein, die Kleinstadt wird immer großartiger, weil ich immer mehr entdecke, nicht nur Köstliches für Kehle und „Maje“ sondern auch fürs Auge, die Gassen, Torbögen, das Unterlinden Museum oder diese Figur von Auguste Bartholdi. Sie heißt „Der junge elsässische Winzer“ und stammt aus dem Jahr 1869. Junge Winzer haben’s gut, sie können aus dem Fass trinken … Zumindest war es mal so. Heute gehen Weinproben anders, wie man in „Drei Tage in Colmar“ nachlesen kann. Die Story stand in #heimat Schwarzwald*, fotografiert hat Jigal Fichtner. Das Magazin kann man übrigens nachbestellen.

http://www.heimatschwarzwald.de/leseproben/mein-wochenende-in-colmar/

*leider mit falschem Timing, denn Corona kam dazwischen …

ALSACE FAN DAY 2020

Le Climont gesehen von Salm-Salm. Ich war noch nie dort, habe trotzdem Heimweh …

HEIMWEH

Es war tatsächlich ein Elsässer (Johannes Hofer, 1688) der den Begriff Nostalgie erfand, er dachte dabei an Schweizer Söldner und ihr Heimweh nach den Bergen. Bei der allgegenwärtigen Heimatliebe der Elsässer könnte man meinen, dass sie die treuesten der Treuen sind und nie und nimmer ihr Elsasser Landel verlassen wollen. Weit gefehlt! Elsässer gibt’s nicht nur in New York oder Paris sondern überall. Wie der Elsässer Barde Roger Siffer erzählt, hat er bislang in jedem Land der Erde Sauerkraut bekommen und elsässisch babbeln können. „Sogar im Kongo!“ Vom Zeichner Tomi Ungerer weiß man, dass es ihn im Alter zurück ins Elsass zog, dann aber doch am liebsten im Schwarzwald hockte, wo man ihn mit Königsberger Klopse bekochte. Immerhin gibt es den Alsace Fan Day (24. Juni), der weltweit begangen wird. Darauf ein Knack und ein Bier! Elsässer, Fast-Elsässer, Wunsch-Elsässer, alle die Schmitt, Waldvogel oder Wiederhirn heißen und alle anderen sind heute gefordert. Wohin geht die Sehnsucht?

http://www.alsacemonde.de