Alemannisch isch sexy

Schriewe, wie einem d’r Schnawwel g’wachse isch

Provinzler! Depp! Hinterwäldler! Dialektsprecher werden häufig nicht für voll genommen. Das ist so falsch wie blöd. Mit der Mundart kann alles gesagt werden. Das alemannische Wikipedia beweist es. Wer Dialekt schwätzt un schriebt isch kei Dupper.

Wikipedia gibt es in allen Weltsprachen. Vor genau 20 Jahren ist das Onlinelexikon entstanden. Mittler weile wurden weltweit über 55 Millionen Artikel geschrieben von Leuten, die nicht dafür entlohnt werden, sondern nur aus Spaß an der Freude aktiv sind. Dank Wikipedia wissen Chinesen was Bollenhüte sind und über die Tanne können auch jene Leute lesen, die unter Palmen leben. Wikipedia ist aber nicht nur in den offiziellen Sprachen, sondern auch in den Regionalsprachen aktiv wie zum Beispiel Bairisch, Friesisch und Plattdüütsch oder eben auch Alemannisch. Dieser tapfere Volkstamm (keine Übertreibung, wo sind Goten und Vandalen abgeblieben?) hat es zwar nicht zu eigenem Staat geschafft, aber es gibt noch ein paar Millionen native speaker. Es waren die Elsässer die 2003 damit anfingen ihre Walt ùff alsassisch zu erklären und üff alemannisch loslegten. Weiterlesen

Gelesen: Cafés von Paris

Attention, gleich kommen die ersten Gäste. Hier das Café L’imprimerie im Ersten Arrondissement (Foto: Marie Preaud), ZVG

„Paris ist immer eine gute Idee“ (Audrey Hepburn)

Im Café Le Nemours trafen sich Angelina Jolie und Brad Pitt und die Bar Hemingway hat ihren Namen durch den berühmten Schriftsteller, der hier 1945 mit einem „Champagner für alle!“ den Krieg (zumindest im Ritz) für beendet erklärte. Im Café Angelina war eine Audrey Hepburn zu Gast und Kate Moss hat auch einen Lieblingsplatz in Paris. All das steht in dem neuen Buch „Die Cafés von Paris“ von Murielle Rousseau und der Fotografin Marie Preaud. Weiterlesen

2250 Zeichen: Tod durch Zeitgeist

Da war die Welt noch in Ordnung. Monsieur Gilg feiert die Tourte Vigneronne (Foto: Pascal Cames)

Wenn alles anders wird

Sein Essen schmeckte besser. Georges Gilg aus Mittelbergheim an der Elsässer Weinstraße gehörte zu den Stars im Elsass. In seinem Hotel Restaurant Gilg verfeinerte er tradierte Gerichte und brachte mit der Tourte Vigneronne die elsässer Küche zum glühen.

Natürlich hatte ihn der Siebeck in seinem Buch Die Weinstuben des Elsass* und logisch, dass ihn ein André Muller ins Fernsehen brachte. Ein Mann voller Elan. Leider hat’s mit der Stabübergabe nicht geklappt. Monsieur Gilg ist jetzt Rentner. Im Restaurant kochen neue Leute.

Jetzt heißt das Restaurant Le Sarmant, also der Weinstock und es soll ganz okay sein. Die Karte ist ganz anders. Jetzt gibt es Vitello Tonnato, mehre Varianten Tatar, Gambas und iberisches Schwein. Das Restaurant wurde auch physisch entkernt. Weiterlesen

Gelesen: Marco Polo Schwarzwald

Hier hat es Kastanien. Aber wo ist das Schloss? Abb. nicht aus dem Buch (Foto: Pascal Cames)

Der Klassiker

Wenn man aus der Region kommt, über diese regelmäßig schreibt und recherchiert (#heimat Schwarzwald) und dann noch Verlagskollege ist, sollte man vielleicht von einer Besprechung absehen. Ich probier’s trotzdem. Hier ein paar Zeilen über den Marco Polo Schwarzwald.

Eine Region einzugrenzen und dann noch in verschiedene Teile zu trennen, gehört vielleicht zu den schwierigsten Aufgaben eines Marco Polo-Autors. Wo zieht man die Grenze zwischen Nord- und Südschwarzwald. Gehören St. Märgen und St. Peter nicht zusammen? Dann wo hören die Schwarzen Wälder auf? In diesem Fall gehen sie bis nach Rust (Europa-Park) und das Markgräfler Land ist auch dabei. Aber warum nicht der Kaiserstuhl? So großzügig großräumig hätte man sein können? Von St. Märgen oder Freiburg nach Endingen i.K. oder Ihringen ist es auch nur ein Katzensprung. (Und der Wein ist klasse!) Weiterlesen

Ein Bild und seine Geschichte (3)

Wie wär’s mit einem Selfie? Albert Schweitzer in Straßburg, wie ihn sich die Schweizer Bildhauerin Simone Mayor vorgestellt hat (Foto: Pascal Cames)

Albert Schweitzer in Straßburg

Vergangenes Wochenende haben wir die Albert Schweitzer-Skulptur vor der Thomaskirche vis-à-vis von Petite France entdeckt, das hat mich spontan gefreut. Der aus dem Münstertal im Südelsass stammende „Urwalddoktor“ Albert Schweitzer (1875-1965) war ja in seinem Vorleben Pastor und er spielte Orgel in eben dieser Straßburger Kirche. (Wie der junge Mozart Anno 1778 auch.) Als Elsässer machte er den Nationalitätenwechsel mit, bis heute denken mehr Leute, dass Schweitzer Deutscher war und nicht Franzose. Die Innerfranzosen wissen so gut wie gar nichts über ihn, die Elsässer vergessen ihn so langsam. Oder doch nicht, wie das Denkmal zeigt. Weiterlesen

Ein Bild und seine Geschichte (2)

Ein Hoch auf das Elsass und seine Sprache! Entdeckt und zugehört bei Mittelbergheim an der Elsässer Weinstraße (Foto: Pascal Cames)

Straßenstand mit Mirabellen

Es war an einem Sonntag vor ein paar Wochen, Regen lag in der Luft und eine Wanderung vor uns. Ah Mirabellen! Lass uns anhalten. Die Frau war gerade mit einem Kunden beschäftigt, da zwickte mich ein Teufel und ich begann einfach so ein paar Brocken Elsässisch vor mich hin zu babbeln. Die Frau hörte das, wusste aber nicht, wer es war. Also begann sie auf Elsässisch loszulegen und mit jedem Wort, jedem Satz wurde das Spektakel größer. Die selige grüne Ruhe – vor uns das flache Land, hinter uns Reben, Dorfidylle mit zwei Kirchtürmen und Wald – war vorbei. Eine theatermäßige Stimmung flutete diesen ehemals ruhigen Sonntagmorgen. Weiterlesen

Gelesen: Köche hört die Signale

Landwirtschaft, wie sie in der westlichen Zivilisation zu finden ist. Ganz in der Nähe wurde Slow Food „erfunden“. Abbildung nicht aus dem Buch. (Foto: Pascal Cames)

Was tun?

Einer regt sich auf! Gut so. Er ist nicht alleine. Das ist ja noch besser. Der Schweizer Koch, Journalist und Gründer von Cuisine sans frontières (CSF) David Höner (Jg. 1955) echauffiert sich gewaltig, wie in seinem Buch „Köche hört die Signale“ nachzulesen ist.

„Köche hört die Signale“ läuft unter Manifest und widmet sich verschiedenen Themen, wie zum Beispiel Gastronomen und Gastgeber, Kochen als Menschenrecht und Ausbildung. David Höner hat dafür Franz Keller, Eckhard Witzigmann oder die Filmemacherin Dories Dörrie und andere Gastautoren eingeladen. Zu den einzelnen Themen gibt es aus seiner Vita kurze Berichte/ Erzählungen. Dass er schon viel erlebt hat, zahlt sich aus. Hier weht auch ein Hauch Romantik mit, zum Beispiel wenn er über seine Kindheit auf dem Land erzählt. (Damals war alles bio, regional und saisonal.) Weiterlesen

Ein Bild und seine Geschichte (1)

Die Silbergäule zu Oberhausbergen (Foto: Pascal Cames)

Die Silbergäule

Vor zehn Jahren begann ich mit Arbeit an meinem ersten Marco Polo Elsass*. Da ich den Sommer verbummelte hatte, kam ich im Herbst etwas unter Zeitdruck. Wie und wann sollte ich alles anschauen, was mich interessiert und was ich ggf. empfehlen will? Bekanntlich können auch kleine Länder ganz schön groß sein. Von Weyer im Krummen Elsass bis Willer im Sundgau sind es 211 km, zwischen Altkirch im Süden und Altenstadt bei Weißenburg liegen exakt 200 km. Das leppert sich! Warum nicht einen Ort finden, wo alle zusammen kommen? Frei nach der „sieben auf einen Streich“-Methode. Weiterlesen

(Die letzten) Flohmärkte im Elsass

Mit etwas Verhandlungsgeschick, kann man gleich das Haus mitkaufen, wie hier in Waltenheim zu sehen (Foto: Pascal Cames)

Suchen und (was anderes) finden

Alles wie gehabt: Die Schule fängt an, die Bäcker verkaufen wieder Baguette und Croissant, im Briefkasten stapeln sich die Weinangebote und die Schwimmbäder schließen. Die Tage werden kürzer und grauer und Elodie und Alain müssen wieder ins Büro oder an die Werkbank. Trist. Nein, der Sommer ist noch nicht ganz fertig. Die Flohmärkte (vide-grenier, marché aux puces) laufen noch ein paar Wochen weiter und schüren la grande illusion von einem endless summer.

Da es im Elsass und sonst wo in Frankreich noch jede Menge alten Krempel gibt, muss dieser unter die Leute. Klar, man könnte meinen, irgendwann hat jeder was er braucht und noch besser alles ist entsorgt, was unnütz ist.  (Um das geht’s ja!) Aber weit gefehlt, Flohmärkte sind ein Fass ohne Boden. Da geht immer was. Aber wo? Wenn man doch nur wüsste, wo das goldene Schnäppchen für einen bereit liegt!

Seltsamerweise gibt es Orte an der Elsässer Weinstraße, wo es zig stylische vélo de course (Rennräder) im Retro-Style zum Verkauf sind und andere Dörfer, vielleicht am Kochersberg oder im Ackerland, wo man noch alte deutsche Bücher findet oder einen Satz Landkarten von 1900, dazu Steingut aus dem Nordelsass, dann wieder Käffer im Grande Ried, wo scheinbar alle Biergläser und Weinetiketten gesammelt haben und Vorstädte, wo George Harrisons „All Thingst Must Pass“ für fünf Euro auf den Käufer wartet. (Disk eins ist verkratzt, die zweite Platte hat nur geringe Gebrauchsspuren und Platte No. 3 ist wie neu.)

Kurz und gut, wer sucht, der findet, aber oft was anderes. Vielleicht steckt ja keine George Harrison in dem Stapel Vinyl sondern eine Joni Mitchell? Ganz sicher gibt es aber Merguez. Heiß und fettig. So muss es sein. Auch wenn man vielleicht mit leeren Händen heim geht, etwas auf die Hand gibt es immer.

Hier ein paar Tipps für kommenden Sonntag, den 12. September*

Oberland

Bergholtz (68)

Buhl (68)

Cernay 68)

Ensisheim (68)

Unterland

Ebersheim (67)

Eckbolsheim (67)

Kilsett (67)

La Wantzenau (67)

Krummes Elsass

Keskastel (67)

Sundgau

Courtavon (68)

Quelle: https://vide-greniers.org/Alsace?_otid=home-list

*ohne Gewähr

 

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Lieb & teuer (Brocante)

Ein Platz, wie der Broglie Platz hat viel Platz, früher für Ritterturniere, heute für Brocante… Das Elsass hat ja ä bissl was zu bieten (Foto: Pascal Cames)

Wieder mal ist es soweit. Der schönste Antiquitätenmarkt Straßburgs wird kommendes Wochenende aufgebaut. Wunderbar, denn

C’est extra !

Das schafft kein Geschichtsunterricht! Wer über die Place Broglie spaziert, bekommt volle Kanne die Geschichte des Elsass zu sehen. Weiterlesen