Einkaufen: Demeter Hof Till

Aha! Neugierige Ziegen in Äule (Fotos: Pascal Cames)

Dieser Biohof auf über 1000 m Höhe hat mir gut gefallen. Johannes und Till strahlen den Optimismus von Leuten aus, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Lohnt sich!

Reif sein ist alles

Auf dem Feldberg vermutet man so einiges, zum Beispiel Hotel und Gasthäuser und Pensionen und Stuben und Hütten und Wirtschaften – und natürlich auch ein paar Bergbauern mit ihren kleinen, wendigen Hinterwälder Rindern. Landwirtschaft nach Demeter-Richtlinien ist hier oben rar, Biobauern gibt es im Kaiserstuhl oder im Markgräfler Land, aber doch nicht hier! Doch einen hat’s! Der Demeter Hof Till in Äule (Aha) ist die große Ausnahme. Weiterlesen

Unter Bäumen oder fünf Gründe in den Wald zu gehen

Frau unter Bäumen und mit Kirschblüten, so erst kürzlich in der Ortenau gesehen (Fotos: Pascal Cames)

Viele Menschen gehen in den Wald, weil hier halt die Wanderstrecken, Rundwanderungen oder Themenpfade wie der „Wichtelweg“ sind. Sie suchen die frische Luft oder das, was sie bei Peter Wohlleben gelesen haben oder eine möglichst kurzweilige Umgebung um ihre 1000 Schritte zu gehen. Ja, Gesundheit ist wichtig. Sonst noch was?  

Dass es doch um etwas anderes geht, ist mir vergangenen Sonntag klar geworden. Hier blüht ja was, ist mir aufgefallen. Weiterlesen

2250 Zeichen (15): Mit und ohne Hilfsmotor

Es geht aufwärts! Diese Schwarzwald-Wanderung geht noch mal 200 m höher! (Foto: Pascal Cames)

Hoh, hoh, hoch!*

„Er weiß, was wir können“, wurde über Winfried Kretschmann im Wahlkampf getextet. Spontan fiel mir ein, dass er dann auch weiß, was wir nicht können. Ob er damit auch so etwas banales wie Hoch- und Aussprache gemeint hat? Vielleicht, denn bekanntlich kann der Baden-Württemberger alles außer Hochdeutsch. Denken wir mal nicht an Christian Streich, sondern an das Wort Hoch. Wer irgendwo hoch geht, der wandert in die Höhe. Schwierig. Ich kenne Leute, die sagen dann Höche. Genauso wie sie „Hoch-Königsburg“ sagen und nicht Hoh-Königsburg. Ich hör schon die Tausend Groschen fallen, jetzt. „Ach so, Hoh-Königsburg!“ Weiterlesen

Postkarte aus der Vergangenheit

Don’t look back auf der Straßburger Place Austerlitz. Aber manchmal wär’s halt doch schön, wenn’s so wäre wie früher. Wie zum Beispiel im Frühjahr 2018, als ganz Straßburg mit Kunst im öffentlichen Raum zum Museum wurde. Hier reitet eine Figur des deutschen Bildhauers Stephan Balkenhol auf einem Stier. Das ist wie im Zug gegen die Fahrtrichtung sitzen. So bleibt die Vergangenheit länger präsent, auch wenn’s bekanntlich ganz woanders hingeht. (Foto: Pascal Cames)

Gut drauf!

Immer was Neues! Aktuell werden in Kehl Fitness-Bikes mit zusätzlichen Elektromotoren ausgestattet. Weniger Schweiß und Aerosole, dafür mehr Spaß und Gesundheit, so lautet die Gleichung für diesen nachhaltigen Sinneswandel. Offenburger und Straßburger Gyms wollen auch nachrüsten.

„Pedalieren geht jetzt ganz einfach“, sagt der gebürtige Elsässer Slavo Grubèr vom Euro Bretzel Gym aus Kehl. „Du setzt dich drauf und stellst wie beim E-Bike deinen Gang ein. Beim E-Bike strampelt ja auch keiner!“, sagt der sympathische Fitnesstrainer. „Du kannst eine Stunde auf den Sattel und musst nichts tun.“ Die Gründe für diese smarte Action wären da zu suchen, wo die Motivation hockt. Beim inneren Schweinehund. „Niemand will sich mehr anstrengen.“ Der Schwarzwald und die Vogesen wären voller E-Biker. Die Lockdowns hätten die einen fitter gemacht, die anderen nicht, lautet sein Fazit.

„Ein quäl dich, du Sau, kannst du heut‘ nicht mehr bringen“, sagt auch der Straßburger Stammkunde Nicklaes Schweinklager (74) und geht d’accord mit der neuen Zeit. „C’est smart!“, grinst der pensionierte Frontalier und knabbert auf dem Fitness-Bike eine Brezel. Auch in Straßburg hätte sich durch die Corona-Krise eine allgemeine Schlappheit breit gemacht, weiß Schweinklager und vergießt rieslinggoldene Tränen. „Gottverdammi, la television isch jetz‘ unser Sürkrüt!“, schnauft der berühmte Straßburger Sozialist auf dem smarten Fitness-Bike, aber mehr aus Empörung und weniger aus Anstrengung.

Pedalieren ohne Aerosole

Den Ausschlag für den E-Motor gab Corona: Durch das softe Pedalieren verringern sich die Aerosole in der Luft. Kein Schweiß, kein tiefes ein- und ausatmen, keine Aerosole. Dann müsse man auch nicht so oft lüften – und der Betreiber spart Heizkosten. Die Idee kommt so gut an, dass sich schon die ersten Interessenten aus Straßburg, Schiltigheim und Offenburg angekündigt haben, um es den Kehlern abzuschauen. Sogar ein deutscher Pastor hat sich angekündigt. Dieser will die neuen E-Fitness-Bikes segnen, aber nur, wenn auch das Fernsehen kommt.

Gelesen: Fuchsteufelswild

Viktoria am Posten, in Aktion (Fotos: Vivi d’Angelo/ Südwest ZVG)

Alles richtig gemacht

Bekenntnisse einer Schwarzwälderin. So könnte Viktoria Fuchs‘ Kochbuch „Fuchsteufels Wild“ auch heißen, denn wir erfahren so einiges von der jungen Köchin aus dem Schwarzwald. Zum Beispiel das: „Ich hatte keine Lust mehr, einfach nur ein Rehragout zu kochen, ich wollte etwas Neues probieren.“ (So klar raus spricht sie wirklich.) Das hatte zur Folge, dass sie begann „mit Ingwer oder Zitronengras zu würzen.“ Von hier an war es dann auch nicht mehr weit zu ihrem Wildschwein Dim Sum, heute ihr Signature Dish. Damit ist ihr zweierlei gelungen: Aus einem kantonesischen Snack wurde ein Hauptgericht und Wild geht auch à la chinoise. Weiterlesen

Aller & retour

Warnung vor dem Wasser. Das deutsche Rheinufer gegenüber dem Rohrschollen. Ungefähr von hier sticht „Spediteur“ Jean  nach Westen auf (Fotos: Pascal Cames)

Anders reisen oder Jean der Fährmann

Morgens wache ich mit einem Geschmack von Croissant und Noisette im Mund auf. „Ich muss rüber“, denke ich, „nach Straßburg.“ Der Gedanke ist so dringend wie der Gang aufs Klo, verschwindet aber nicht. In den folgenden Nächten träume ich von der Kathedrale, rieche im Schlaf Flammkuchen, tagträume von Sauerkrauteis und fantasiere, dass der Elsässer Riesling der Beste der Welt ist. Dann muss es wohl schlimm sein, grüble ich. Une idée fixe, würde der Franzose wohl dazu sagen.

Natürlich weiß ich, dass das jetzt unmöglich ist. Das ganze Hickhack. Nicht einmal ein Beichttermin bei Martin Graff würde die Grenze öffnen. So deprimiert versuche ich mir auf dem Kehler Wochenmarkt Abhilfe zu verschaffen. Essen gegen Kummer, kenn‘ ich ja. Immerhin gibt es hier Baguette. Ich seufze laut „Strossbouri“ und „ach, ich wär so gerne in Straßburg“, da steckt mir jemand eine Visitenkarte zu. „Jean, Fährmann“, steht drauf und eine französische Handynummer. Weiterlesen

Unvergessen: Roger Siffers „Follig Song“

Elsass im Ausverkauf

Roger Siffers Platten wie z.B. „Alsace a vendre – Elsass im Ausverkauf“ sind schon lange ausverkauft, aber gut zu finden auf Flohmärkten, wie hier in Straßburg (Foto: Pascal Cames)

Heute vor 45 Jahren erschien Roger Siffers Liederbuch „Follig Song un andri Lieder, eine Sammlung seiner ersten beiden Schallplatten. Ein würdiger Anlass für ein rebonjour mit der alten Zeit, als Tonträger noch aus Vinyl waren und elsässisch gesungen und verstanden wurde.

Troubadour, Barde, Bänkelsänger, Minnesänger … Roger Siffer (Jg. 1948) hat sich schon viele Titel ersungen. Als der Elsässer noch ein junger Mann war, veröffentlichte er nach seinen „Hits“ „Follig Song“ und „Minne G’sang“ ein Liederbuch mit eben diesen Songs, eine Odyssee 2000 in den Sifferschen Kosmos aus Frauen, Silvaner, Kilwi (Dorffesten), Heimatliebe und Melancholie. Roger Siffer war zu jener Zeit das „Phänomen Siffer“. Weiterlesen